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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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509
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Die Befeftigungskunft.

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und Böhmen gewidmet, dem fleh Dürer zu dienen fchuldig fühlt»wegen der Gnaden und Wohlthaten, die ihm von weiland feinemGrofsvater Kaifer Maximilian zu Theil geworden feien. Dieweil fichnun zuträgt, dafs Euer Majeflät etliche Städte und Flecken zu befe-ftigen befohlen hat, bin ich dadurch veranlafst, meine geringe Kennt-nifs von diefen Dingen bekannt zu geben« etc. Dabei dachte Dürerinsbefondere, wie »die Länder fo dem Türken gelegen find, fich vordesfelben Gewalt und Gefchofs erretten möchten« zwei Jahre bevorSultan Suleiman gegen Wien heranzog und Luther feine »Ileerpredigtwider den Türken« ausgehen liefs. So fein reagierte die Vaterlands-liebe in Dürer ! Das Werk, dem eine Abhandlung über den Bau vonBafteien als Einleitung vorangeht, zerfällt in fechs Abfchnitte. Dieerften drei enthalten je eine Manier, Bafteien zu bauen; der vierteAbfchnitt handelt über die Befeftigung eines Schloffes, der fünfteüber die eines Baffes mittelft einer »Claufen«, der fechfte endlich überdie fortificatorifche Sicherung einer ummauerten Stadt. Als Anhangz.u letzterem giebt Dürer noch eine Lafettenconftruction. Das Werkift mit vortrefflichen grofsen Ilolzfchnitten verziert, davon das Titel-bild die Wappen König Ferdinands zeigt. Soweit an den maffivenBollwerken Zierglieder zur Geltung kommen, gehören diefelben derRenaiffance an. Das Verhältnis Dürers zu feinen italienifchen Vor-läufern auf diefem Gebiete wäre noch zu prüfen.

Dürers Befeftigungskunft fand zwar bei feinen Zeitgenofsen wederDank noch allgemeinere Anwendung. Blofs hie und da und allmähliggieng man auf feine Vorfchläge ein. So bauten z. B. die Strafsburgernach den Lehren Dürers die Baftei am Kronenburger Thor und dieBaftei Rofeneck. Die erftere hat fich fo mit geringen Veränderungenbis auf die Gegenwart erhalten, während die andere 1577 von demStadtbaumeifter Daniel Speckle oder Specklin umgebaut wurde').Diefer berühmte Architekt und Kriegsbaumeifter namentlich bildeteDürers Ideen weiter, deren Ueberlieferung fich bei faft allen deutfehenIngenieuren mehr oder minder ausgeprägt erhalten hat. So ernteteDürer erft in unferen Tagen die Anerkennung als Begründer einerbefonderen deutfehen Feftungsbaukunft 1 2 ). Diefe ftand zwar noch Jahr-

1) Wendelftädt, Urfachen, welche für |

Deulfchland den Verlud von Strafsburg zur jFolge halten, Jahrbücher f. d. deulfche IArmee IV. 194. Die Rundlhünne der Ntirn- jberger Stadtmauern find nicht, wie die Sagegeht, von Dürer , fondern erfl nach feinem jTode von Italienern erbaut. i

2) C. Freih. von der Goltz, AlbrechtDürers Einflufs auf die Entwickelung derdeutfehen Befeftigungskunft, bei II. Grimm,Ueber Künftler und Kunftw. II, 189203.G. v. Imhof, Alb. Dürer in feiner Bedeutungfür die moderne Befeftigungskunft, Nörd-lingen 1871. M. Allihn in den »Grenzbotena1872. Nr. 17. S, 143.