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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Die Gegenwart hat nicht Müsse noch Zeit, sich in die ihr gleichsam aufge-drungenen Wohlthaten hineinzuleben, was zu einer künstlerischen Bemeisterungdieser Gaben unbedingt nothwendig ist; die Praxis und die industrielle Spekulation,als Mittlerinnen zwischen der Konsumtion und der Erfindung, erhalten diese zubeliebiger Verwerthung ausgeliefert, ohne dass durch tausendjährigen Volksgebrauchsich vorher ein eigner Stil für sie ausbilden konnte; und es bedarf eines beiweitem grösseren künstlerischen Taktes, als derjenige ist, den man im Allgemeinenbei unseren Industriellen findet, um auch ohne die Vermittlung der Zeit für allesdas Neue, was sich drängt, die richtige Kunstform sofort zu treffen, dasjenigeGepräge nämlich, wodurch das freie Menschenwerk als Naturnothwendigkeiterscheint, der allgemein verstandene und empfundene formale Ausdruck einerIdee wird.

Zwar ist die Spekulation bemüht, so wie sie von der wissenschaftlichenIntelligenz ihre technischen Mittel borgt, eben so auch die bildenden Künste sichdienstbar zu machen, aber sie hat die, bei so grossartigem Wirken wie das ihrigeallerdings nothwendige, Theilung der Arbeit auf eine, dem erstrebten Erfolge dieserAuskunft höchst ungünstige Weise bewerkstelligt. Sie trennt z. B. das sogenanntOrnamentale von dem Formell-Technischen auf eine rein mechanische Weise, diedas Nichtfühlen und Nichterkennen der wahren Beziehungen zwischen den ver-schiedenen Funktionen, durch welche der Künstler sein Werk zu Stande bringt,sofort verräth.

Eine grosse Anzahl zum Tlreil begabter Künstler arbeitet mit fester Anstel-lung für die englische und französische Industrie; und zwar in doppelter Dienst-barkeit; des Brodherrn einerseits, der sie als ziemlich lästige Geschmacksrätheund Formenverzierer nicht für ebenbürtig erkennt, selten gut belohnt; der Modedes Tages andrerseits, die den Absatz der Waare garantiren muss, wovon docham Ende alles abhängt, Zweck und Existenz der industriellen Anstalt.

So bleibt die Initiative in der industriellen Produktion dem Künstler durchausfern; dieser tritt vielmehr nur als Rubrik unter den Specialitäten auf, die derFabrikherr beschäftigt, ungefähr wie die Bereitung der Thonmasse einen besonderenKneter erfordert, oder wie die Leitung der Oefen einem Oberheizer übergeben ist,der seine Anzahl von Unterheizern unter sich hat. Nur mit dem Unterschied,

Occident wieder zu erfinden. Keine Ehre für den Stand der Wissenschaften desdamaligen Westens, — aber van Eyk, Luca della Robbia und Palissy wussten dafürihr Selbstgefundenes zu gebrauchen, es künstlerisch zu verwerthen.

Wie wenig dagegen unsere heutigen Maier die ihnen durch die Chemie insolcher Fülle gebotenen Mittel nnd Raffinerien der Malerei beherrschen, ersieht manz. B., um das eigentlich Künstlerische hier ganz ausser Spiel zu lassen, schon an demVerwachsen, Erbleichen und Bersten der Bilder, das nach wenigen Jahren eintritt,während die Bilder der alten italienischen und niederländischen Meister, auch in dieserrein technischen Beziehung unsterblich, wenn schon nachgedunkelt und mit demNiederschlag der Jahrhunderte dick überzogen, dennoch ihre Haltung behielten, javielleicht durch das Alter gewannen.