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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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XXVII
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Sie ist gleichsam die unsichtbare Balancirstange, die der Gestalt statischen Haltgibt. Sie heisse die symmetrische Axe, im Gegensatz zu der Linie a b, welchedie proportionale Axe sein mag, weil nach dieser Linie die proportionaleOrdnung der Theile statt hat.

Eurhythmie . Rahmen.

Somit ist Eurhythmie geschlossene Symmetrie, steht sie nicht in un-mittelbarer Beziehung zu dem Beschauer, sondern nur zu dem Centrum, umwelches die Elemente der regelmässigen Form sich peripherisch ordnen und reihen.

Der Beschauer hat sich in das Centrum der Beziehungen zu versetzen,wenn ein Rapport zwischen ihm und der eurhythmischen Figur stattfmden soll.Vertikalität oder Horizontalität sind daher keine Grunderfordernisse der eurhyth-mischen Figur, ihr Wesen ist Geschlossenheit; ja sie drückt den absolutenBegriff des Einschlusses sinnbildlich aus, führt somit auch auf das Eingeschlossenezurück als das eigentliche Objekt, als das Centrum der eurhythmischen Ordnung.

So sind z. B. die Thüreinfassungen und Fensterbekleidungen solche eurhyth-mische Einschlüsse, ganz ähnlich den Bilderrahmen, nur dass das Eingerahmtedie eintretende oder die ausschauende Person ist. Man erkennt an diesen Bei-spielen von Rahmen deutlich den Unterschied und die Trennung derjenigen Theile,die dem Rahmen als solchem zukommen und an denen das eurhythmische Gesetzin Thätigkeit tritt und der andern, theils in symmetrischem theils in proportionalemSinne wirksamen Bestandtheile des Rahmens, wodurch er nebst seinem Inhalteerst dem Beschauer, der ausser dem Bilde steht, als Objekt gegenübertritt, wozudie Verdachungen, Konsolen und dem ähnliche Beiwerke gehören.

Der Rahmen ist eine der wichtigsten Grundformen der Kunst. Kein ge-schlossenes Bild ohne Rahmen, kein Massstab der Grösse ohne ihn. Nur bei ihmtritt die Eurhythmie in Anwendung, die. regelmässig koncentrische Gliederungund Ordnung der formalen Elemente, die um das eingerahmte Objekt herum eine. geschlossene Figur bilden.

Modifikationen der eurhythmischen Ordnung.

Die Gliederung der eurhythmischen Figuren erfolgt nach bestimmten Ge-setzen der Wiederkehr, mit Cadenzen und Cäsuren, mit Erhebungen und Sen-kungen, aus deren Verkettung die geschlossene Figur entsteht. In dieser Beziehungsind die musikalischen Figuren (Melodien) und die optischen den gleichen Gesetzenunterworfen, nur dass das Ohr eine weit verwickeltere Ordnung zu verfolgen undaufzulösen vermag als das Auge, das in momentaner Anschauung das Ganze zu-gleich in sich aufnehmen soll. Daher sind bei allerdings unendlicher Verschie-denheit eurhythmischer Reihungen bei optischen Figuren kaum mehr als drei