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gewissem Sinne unabhängig wirkt; obschon sie mit beiden in Konflikt kommt,und erst in der glücklichen Ausgleichung dieser Konflikte die Existenz derorganischen Gestalten beruht.
In diesem Kampfe der organischen Lebenskraft, mit der Materie einestheils,mit der Willenskraft anderntheils, entfaltet die Natur ihre herrlichsten Schöpfungen ;er zeigt sich in den schönen elastischen Kurven der Palme, die ihre majestätischeBlätterkrone kraftvoll emporrichtet, aber dabei den Bedingungen des allgemeinenGravitationsgesetzes als Ganzes und in ihren einzelnen Theilen (den Blättern derKrone) sich schmiegt.
Dieser Kampf zeigt sich noch thätiger in den willensbegabten Organismen,z. B. in der Artemis oder dem Apollon, wie sie die antike Kunst gebildet hat;hier ist Willensfreiheit und Bewegung im Gleichgewicht mit Massenbedingungund mit Lebensbedingung; die reichste Mannigfaltigkeit in einheitlichem Zusammen-wirken, die für irdische Begriffe möglich ist.
Die Lebenskraft (oder wenn man will die physische Wachsthumskraft),obschon sie allseitig thätig ist, folgt doch vorzugsweise einem Hauptzuge, derbei den meisten Pflanzen vertikal aufwärts der Schwerkraft entgegengerichtet ist,der bei den Thieren durch die Rückenwirbelsäule bezeichnet wird, die bei denmeisten Thieren horizontal liegt und in die Willensrichtung fällt, aber bei demMenschen wieder vertikal steht und mit seiner Willensrichtung nicht zusammen-fällt, sondern einen rechten Winkel mit ihr bildet. Es sind daher bei derorganischen Gestaltung je nach den Stufenhöhen der Organismen zwei oder dreiKräfte thätig, denen wir (nach dem Vorgänge dessen, was in der Mechaniküblich ist) besondere Kraftcentren beimessen dürfen.
Die am allgemeinsten thätige unter ihnen ist die Massen Wirkung, diesich am augenscheinlichsten theils als Schwere, theils als vis inertiae kundgibt. Ihr stets normal entgegen wirken die beiden andern Kräfte, die organischeLebenskraft und die Willenskraft.
Die Pflanzen wurzeln in der Erde und haben keine Willenskraft, sondernnur Lebenskraft, deren Centrum man sich in den Zenith, auf der unendlichenVerlängerung der Senkrechten, welche die Lebensaxe der Pflanze bildet, versetztdenken darf. Sie bildet mit der Schwerkraft, die wir in den Mittelpunkt derErde versetzen, ein Paar, das in einer und derselben Vertikalen, aber in entgegen-gesetztem Sinne, wirkt.
Durch diesen Konflikt (der auch dann noch besteht, wenn auch demMassengleichgewichte bereits Genüge geleistet ward) ist zumTheil 1 die Proportionder Pflanze bedungen, die von dem Gesetze des Gleichgewichts unabhängig ist,weil, wie bereits oben hervorgehoben wurde, es für das Gleichgewicht ganz ohneEinfluss ist, ob ein bestimmter Komplex von sich, in Bezug auf den vertikalen
1 Nur theilweise, weil die Organe der Pflanze und ihr gegenseitiges Verhaltenzunächst allerdings durch ihre Bestimmungen, als Werkzeuge der Ernährung nnd Fort-pflanzung, bedungen sind.