XL
Das Mittelglied charakterisirt sich zugleich als Tragendes und Ge-tragenes und zeigt eine Haltung und Färbung, in welchen sich die formalenSonderheiten und Farben beider vorher genannten Glieder der Proportion mischen,oder vielmehr im Doppelreflexe versöhnen. Es bildet, wenigstens virtuell,die mittlere Proportionale zwischen d e n b eide n E x t r e m i t ä t e n,so dass sich, virtuell genommen, die Basis verhält zu dem Mittelglied wie dieseszu der Dominante.
Natürlich geben Abweichungen vom strengen Gesetze erst den Charakterder Proportion und ist diese in ihrer Lösung von eben so unendlicher Mannig-faltigkeit, wie die Natur selbst . 1
Ganz andre verwickeltere Verhältnisse zeigen sich, wo die proportionaleAxe nicht wurzelt, sondern sich in einem Medio, in ihrer eigenen Axenrichtung,frei bewegt, ein Fall, der in dem Vorhergehenden als der zweite mögliche ange-führt wurde. Dieser Fall ist derjenige, der bei den meisten auf der Erde so wieim Wasser und in der Luft sich horizontal bewegenden Thieren eintritt. DieFische geben die einfachsten Beispiele dieser Kombination. Das Ziel, welches derschwimmende Fisch verfolgt, sei es Beute oder irgend ein andrer erstrebter Gegen-stand, ist ein Attraktionspunkt, der eine Kraft äussert, ganz analog derjenigen,welche der Mittelpunkt der Erde auf den Baum, oder jedes andre vertikal auf-wärts gerichtete Gebilde, übt. Aber die Schwerkraft ist dem Streben der Wachs-thumskraft des Baums entgegen, wogegen im Fische Willensrichtung und Lebens-richtung (der Rückenwirbelsäule) nicht gegensätzlich sind, denn sie strebengleichmässig vorwärts. Es findet also in dieser Beziehung kein Konfliktvon Kräften statt, und das Gesetz der Dreitheilung findet keine Anwendung mehr(siehe oben). Die Autorität ist hier eine doppelt - einige, der Kopf des Fisches,der das mikrokosmische Einheitsprinzip des Einzelndaseins und zugleich das Ein-heitsprinzip seiner Richtung repräsentirt.
So weit würde die Proportion des Fisches eine unbestimmt zweitheiligesein, ein Kopf mit einem spulartig nach hinten sich unbestimmt fortsetzendenSchwanzstücke.
Aber es treten noch andre Momente der Gestaltung hinzu, die der unfertigenErscheinung das Gepräge des in sich Abgeschlossenen und Einheitlichen ertheilen;nämlich das allgemeine Gesetz der Trägheit der Massen und der Wider-stand des Mittels, in dem die Bewegung stattfindet. Diesen makrokosmischenEinflüssen muss die Gestaltung des Fisches Genüge leisten und sie gleichfalls insich reflektiren. Diess geschieht, indem die auf die Richtung vertikal gedachtenDurchschnittsebnen nach einer bestimmten, hier nicht genauer durchführbaren,Gesetzlichkeit von vorne nach hinten zu wachsen, bis zu einem Punkte der Rich-tungsaxe, wo dieses Wachsthum sein Maximum erreicht. Hinterwärts diesesPunktes nehmen die Durchschnittsebnen nach anderem Gesetze wieder ab. Der
1 Vergl. hierüber den oben angeführten Aufsatz über den Schmuck.