Buch 
1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

Drilles Hauplslück.

aber für Beides, für Form und Farbe, einen Uebergang zwischen dengenannten Extremen bilden muss.

In Hinsicht auf Proportionalität haben also die beiden angeführten,in der Baukunst besonders thätigen Bekleidungsarten, nämlich die auf-gerichtete oder gespannte Teppichwand und die herabfallende Draperie,fast gleiche Gesetzlichkeit; dagegen sind sie zuerst in symmetrischerBeziehung von einander verschieden, insofern der ausgespannten Teppich-wand eine nett ausgesprochene Symmetrie der ornamentalen Anordnunggebührt, während diese bei der lierabfallenden faltenreichen Draperienicht nothwendig, sogar störend erscheint. Der Vorhang kann den indi-schen Kaschmirs analog reich und konfus sein, da durch den Faltenwurfolmediess alle Symmetrie des Musters gestört wird und dafür die pla-stische Symmetrie des Faltensystemes an die Stelle tritt, die ihrer Naturnach nicht regelmässig ist, sondern sich nur als Massengleichgewichtgeltend macht.

Die zweite Verschiedenheit zwischen beiden vertikalen Wand-bekleidungen liegt in der Art ihrer Abschliessung, die bei der gespanntenTeppichbekleidung nach Oben stattfindet und mit der Dominante desproportionalen Dreiklanges zusammenfällt, bei der herabfallenden Draperiedagegen nach Unten geschieht, wo sie mit der Basis des proportionalenDreiklanges in Verbindung tritt, aus welcher Verbindung oft reiche undeigenthümliche Schlussformen hervorgehen. Man vergleiche, was hier-über bereits oben angeführt wurde, sowie die Vorrede und das späterFolgende über Naht und Saum.

§. 13 .

FussboilfnibeUlebhiiigen.

In dem Vorausgegangenen wurden die Fälle behandelt, in welchenbei Bekleidungsflächen die Begriffe Oben und Unten, Rechts undLinks klar und deutlich hervortreten; es bleibt noch übrig, von den-jenigen zu sprechen, in welchen diese Begriffe indifferent bleiben oderdoch in weniger entschiedener Weise, gleichsam verhüllt, auftreten. Indiesem Sinne sind die Fussbodenbekleidungen und die Decken,welche als horizontal ausgespannte, freischwebende Raumes-abschlüsse nach oben zu ersteren den Gegensatz bilden, für unsereZwecke die wichtigsten, deren Stilgerechtigkeit uns nun zunächst beschäf-tigen muss.