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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Die Decke.

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vielfarbigen Streifen, die nur durch den verknüpfenden Faltenwurf motivirterscheinen und die nöthige Verbindung erhalten. Nur für Anwendungen,bei welchen die, nicht auf Entwicklung, sondern auf Farbenreiz berech-neten, Muster sich im Faltenwürfe in reicher Verworrenheit kund geben,sind diese Produkte bestimmt, an denen oft zwanzig bis dreissig Per-sonen jahrelang arbeiten, indem Jeder ein einzelnes Stück für sich fertigmacht. Die Stücke werden zuletzt so geschickt zusammengewirkt, dassnirgendwo eine Naht zu entdecken ist. Also ein echter Mosaikstil, undzwar in abenteuerlichster Art, eigentlich ein Flickstil, zeigt sich hierthätig, der nur in der einen orientalischen Weise angemessene Anwendungfinden kann.

Unsere europäischen Damen aber breiten das bunt zusammen-geflickte Muster aus einander und legen es schön geglättet über dieSchultern, so dass der phantastisch polychrome Zipfel oft in verkehrterRichtung glatt und symmetrisch über den Rücken herunterhängt und dererstrebten Symmetrie zum Trotze die eine Schulter gelb, die andereblau, roth oder grün erscheint. Gleichzeitig besteht das höchste Genieunserer europäischen Kaschmir - Fabrikanten darin, diesen, an sichoriginellen und seiner Berechtigung nicht entbehrenden, Stil zu kor-rumpiren, ohne seine Entstehungsweise zu berücksichtigen oder nur zukennen.

Ebensowenig wird auf die, mit dem erwähnten Gesetze der Pro-portionalität eng zusammenhängende, Nothwendigkeit geachtet, dass dieMotive des Musters stets und unter allen Umständen aufrecht erscheinenmüssen, wenn sie in Beziehung auf Unten und Oben einen Sinn haben.Auch dieses Gesetz gilt für beide Fälle, nämlich so gut für den aufge-richteten Teppich, wie für die herabhängende Draperie.

Alles Rankenwerk, jedes vegetabilische Ornament, so gut wie das-jenige, welches dem animalischen Reiche entnommen wurde, muss sichvom Boden nach der Höhe entfalten. Kaum dass der eigentliche Ueber-hang hierin eine Ausnahme macht, und zwar nur in sofern, als sich inseiner Ornamentation deutlich zu erkennen gibt, dass der oberste Theileines aufwärts gerichteten vegetabilischen Motivs durch Ueberschlag undden überwältigenden Einfluss der Schwerkraft in die entgegengesetzteRichtung nach Unten gezwungen wird.

Noch ein drittes proportionales Stilgesetz haben alle Bekleidungengemeinschaftlich, nämlich dasjenige, wonach die schwerere Form und diedunklere oder ernstere Farbe stets das Unten, die leichtere Form unddie hellere und glänzendere Farbe stets das Oben beherrscht, die Mitte