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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Drittes Hauptstück.

Der raffinirtere Formensinn begnügt sich jedoch ungernc mit dieserausdrucksloseren Darstellung des Motives; er sucht einen sinnlichen Re-präsentanten des Mittelpunktes und einen sichtbaren Gegensatz zu dem,die äussere Marke des horizontalen Raumabschlusses bezeichnenden, Rah-men oder Saume; er findet ihn darin, dass er ein Mittelfeld durch Formund Farbe aus der indifferenten umrahmten Fläche besonders heraushebtund auf diese Weise einen Dreiklang, ein einheitliches Zusammenwirkender Theile nach den Gesetzen der Subordination und der Harmonieerreicht.

Noch zusammengesetztere Verbindungen, die aus diesem in sichvollkommenen Dreiklange hervorgehen können und wirklich hervorgerufenwurden, sind nur dann stilgerecht, wenn sie die Einheitlichkeit, die ausder kräftigen Hinweisung auf das Centrum der Beziehungen hervorgeht,nicht schwächen, sondern verstärken, welches nur durch koncentrischeAnordnung der hinzukommenden Motive und dadurch erreicht wird, dassalles, was den Raum zwischen der Umrahmung und der herausgehobenenMitte ausfüllt, mag es an sich noch so reich und künstlich geordnet sein,in der Gesammtwirkung sich den beiden erstgenannten Th eilen voll-kommen unterordne, gleichsam den Hintergrund und zugleich die Ver-mittlung für sie abgebe, ohne dass jedoch durch die Kontraste, die dabeientstehen, das Prinzip der allgemeinen Flächeneinheit, dessen Aufrecht-haltung namentlich bei Fussbodenverzierungen unbedingt nothwendig ist,verletzt werde.

Also nicht mehr wie bei den Wandbekleidungen und selbst bei denKleidern, womit wir unseren Leib schützen, findet hier ein Wirken nachUnten und Oben (an „up and down* treatment) seine Anwendung, viel-mehr nach ganz entgegengesetztem Prinzipe entweder ein Wirken nachallen Richtungen (an „all—over“ treatment) oder koncentrische, radialeund aus beiden gemischte Anordnung.

Die Sache ist leicht fasslich, so lange es sich um regelmässigeAbtheilungen, um Lineamente, Felder und Streifen, um geometrischeund sonstige einfache Formen, um Punkte, Kreissegmente und geradeLinien handelt, die in geordneter Zusammenstellung die Bodenflächebeleben sollen. Der gute Geschmack verwirft ein derartig zusammen-gesetztes System der Fussbodendekoration, welches die Augen zu sehrauf die Erde herabzieht, eine Richtung dieses Sinnes, die dem erhabenenEbenbilde Gottes auf Erden nicht gebührt. Er spricht sich noch ent-schiedener gegen ein solches System aus, wenn nicht durch den Reizund den Kunsteffekt dessen, was dargestellt ist, sondern gleichsam durch