Buch 
1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
Entstehung
Seite
41
JPEG-Download
 

Textile Kunst. Die Decke.

41

das erweckte Gefühl der Unsicherheit, der Furcht vor dem Fallen, derUnbehaglichkeit des Liegens auf harter und knorriger Oberfläche oderauf zu weichen Gegenständen, also durch Mittel, die nichts weniger alskünstlerisch sind, diese Wirkung erzielt wird. Mithin Brunnenlöcher imFussboden, scheinbar hervorgebracht durch zu scharf abgeschnittene Kom-partimente, und schneidende Kontraste von hell und dunkel, sowie archi-tektonische Reliefornamente, erhabenes Leistenwerk, Wappenschilder,Plastische Nachahmungen von Früchten, Muscheln, Speiseüberresten unddergleichen Motive sind wohl absolut verwerflich, ausgenommen etwa,Wenn sie an Stellen angebracht sind, die eben nicht dieBestimmung haben, betreten zu werden oder sich darauf2 u lagern.

Schwieriger wird die Entscheidung, wo die Anwendung vegetabilische)und anderer organisch belebter dekorativer Elemente oder wohl gar dieApplikation von Gegenständen der höheren tendentiösen Darstellung in

Frage kommt.

Hier ist nun zuerst in Betracht zu ziehen, ob an dieser Stelle über-haupt dekorative Elemente der genannten Art, und namentlich historischeDarstellungen, stilgerechte Anwendung finden können, und wenn diessder Fall, welche Bedingungen und Beschränkungen dabei obwalten.

Man würde offenbar den Purismus zu weit treiben, wollte man, wiediess mitunter geschehen ist, geradezu jede imitativ-ornamentale Behandlungdes Fussbodens als stillos bezeichnen, da doch schon der natürlicheJ'eppich, der blumendurchwirkte Rasen, das anmuthigste und jedemunverdorbenen Sinne von selbst entgegentretende Analogon einer der-artigen Behandlung bildet und der Kunst des Stickens, die ohne Zweifelsehr früh in Anwendung kam, wo es sich handelte, die Decke einesLagers zu dekoriren, das Nachahmen vegetabilischer Formen innerhalbgewisser konventioneller, durch die Technik vorgezeichneter, Schrankenwenigstens ebenso geläufig und leicht ist, wie das Wiederholen geometri-scher Formen und Durchschlingungen paralleler Linien es sein können.Gerechtere Bedenken mögen freilich gegen das Einfügen historischeroder realistisch-imitativer, dem Genrefache oder dem Stilleben angehörigerDarstellungen erhoben werden; indessen darf man auch diese nichtrigoristisch und allgemein verwerfen. Es ist ein vergebliches Bemühen,auf die Verbesserung des Geschmackes und die Verbreitung eines feinerenSchönheitsgeftihles im Volke durch eisernes Bestehen auf dem nacktenGesetze und stetes Zurückweisen auf die Inkunablen jeglicher Kunsthinzuwirken. Allerdings sind diese höchst beachtenswerthe Vorbilder, die