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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Drittes Hauptstück.

wölbe und die Kuppel, verliessen sie nie an Tempeln, sondern nur zumTlieil an profanen Werken, an Decken der Wohngebäude, Bäder u. dgl.

Von allen Dingen der Schöpfung zeigen sich nur zwei oder höch-stens drei in dekorativem Sinne behandlungsfähige Motive in der obenso genannten umgekehrten Vogelperspektive; diess sind die Sterne amHimmelszelt, die Vögel, die in der Luft schweben, endlich vielleicht dasbeschattende Laubgeäste und die zwischen ihm herabhängenden Blüthenund Früchte; und diese Dinge sind es einzig und allein, welche (ausserden dem Webstuhl entnommenen und an die Idee eines Urzeltes geknüpftenZopfgeflechten, Labyrinthen und ähnlichen Ornamenten) auf jenen Stro-terendecken seit undenklichen Zeiten die typischen Embleme bilden. Esbedarf hier nur flüchtiger Erinnerung an die Steinplafonds der ägyptischenTempelhallen mit den Sternen, den befittichten Sonnen und den breit-gefiederten Adlern, die in dem allgemeinen Azurgrunde schweben, an dieSternendecke des hellenischen Uraniskos, an die Rosettenkuppel des Pan-theon mit ihrem jetzt verschwundenen Bronzeschmuck, oder endlich andie Holzdecken der altchristlichen Basiliken, an die romanischen Plafondsund Gewölbe, an die gothischen Kreuzgewölbe der Ste. Chapelle, anAssisi, 1 an den Dom von Siena und Orvieto, an die Certosa zu Pavia ,die schon den Uebergang zur Renaissance bildet, welche letztere diesesuralte Motiv erst mit neuer Frische belebt, dann aber in freiester Behand-lung mit weniger strengen (den nunmehr emanzipirten darstellendenKünsten bequemer sich fügenden) Motiven vermengt, die theils schonaltchristliche Ueberlieferung, theils den reichen und phantastischen Deckender römischen Bäder, die damals, im XVI. Jahrhunderte, zum ersten Malewieder an das Tageslicht gebracht wurden, entnommen sind. Die gemaltenSterne auf den unteren Flächen der kleinen Deckplatten (Kalymmatien),womit die Opäen (Durchbrechungen) der Plafondplatten zwischen denBalken zugedeckt wurden, sind, gleich wie die später an ihre Stelletretenden, plastisch ausgeführten Akanthustulpen 2 oder sog. Rosettennach allen Seiten gerichtet und bieten in dieser Beziehung keine Schwierig-keiten; die Adler und geflügelten Sonnen der ägyptischen Plafonds wenden

1 Siehe Tafel VII.

2 Diess sind die in den beiden berühmten Bauinschriften an der Akropolis zuAthen (von denen die zuletztgefundene fälschlich gleichfalls auf den Poliastempelbezogen worden ist, wie ich in einem Aufsatze im Kunstblatte Nr. 42 ff. des Jahrganges1855 dargelegt habe) wiederholt vorkommenden xcA^cu oder vielmehr ^a'Xxai,, dieman eben so fälschlich auf die Oven oder Eierstäbe, womit die Kymatien der jonischenOrdnung so reichlich ausgestattet sind, bezogen hat.