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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Die Decke.

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gehabt auszuruhen, so ist das Auge auch wieder empfänglich gewordenfür Farbenkontraste und richtiges Verhalten der Töne und Formen zueinander. 1 Jeglicher längere Blick endigt nothwendig mit Farben-

1 Man unterscheidet zweierlei Farbenkontraste, den instantanen und dennachwirkenden. Der erstere macht zwei Farben, die einander berühren odernahestehen, anders erscheinen, als sie das Auge auffasst, wenn es jede für sich alleinbetrachtet, und zwar verändert er sie nicht bloss qualitative, sondern auch quantitative,d. h. er macht das Dunkle neben Hellem dunkler, letzteres neben jenem hellererscheinen. So z. B. erscheint Grün neben Violet jenes gelber, dieses röther, als jedesfür sich betrachtet; Gelb neben Grün spielt in’s Orangefarbene, dieses in’s Blaue u. s. w.

Der nachwirkende Kontrast ist ein Reiz, der durch das Sehen einer Farbe der Netz-haut mitgetheilt wird und sich dadurch kund gibt, dass man diejenige Farbe zu sehenglaubt, die möglichst weit von der gesehenen entfernt liegt und den geraden Gegensatzzu ihr bildet. So hinterlässt ein rother Punkt, etwas lange angesehen, in dem weg-gewandten Auge ein gleich gestaltetes Spektrum von grüner Farbe. Eine Orangekreis-fläche hinterlässt ein gleiches Bild von blauer Farbe u. s. w.

Bei langem Anschauen einer vielfarbigen Fläche, deren Effekt nur auf den in-stantanen Kontrast berechnet ist, fangen die Farben an, die Wirkung des nachwirkendenKontrastes auf das Auge auszuüben, das somit das Gegentheil der Farben sieht, dieauf dem Bilde Vorkommen, und diese Eindrücke auf andere Punkte des Bildes über-trägt, deren Lokalfarbe sich mit den, von vorhergesehenen Farben herübergeschleppten,Eindrücken im Auge vermischt. Solcherweise entsteht der gemischte Kontrast,der zuweilen sehr komponirt ausfallen kann und zuletzt Alles grau erscheinen lässt.Hätte man z. B. eine Zeit lang Roth angesehen und blickte hernach auf Blau, sowürde das grüne Spektrum im Auge sich mit dem Blau vermischen und es entstündeein tieferes Grünblau. Hätte das Auge vorher Orange gesehen und es fiele hierauf aufHelb, so würde dieses grün erscheinen, das Roth aber würde durch die Nachwirkungdes Orange violet u. s. w.

Hieraus erklärt sich der Nachtheil, den das lange, unausgesetzte Anschaueneines Bildes für den Genuss und das Verständniss desselben haben muss; hieraus erklärtsich zugleich das Phänomen, worauf in dem Texte hingewiesen worden, dass ein unge-wohntes Sehen die Farben und Töne eines Gegenstandes schärfer und reiner erscheinenlasse. Die Ursache liegt darin, dass die Netzhaut das Bild des Gegenstandes aufPunkten in Empfang nimmt, die noch nicht fatiguirt sind und somit die reinen, rich-tigen Nuancen statt der durch gemischten Kontrast getrübten sieht.

Der wundervolle Orangeschimmer, den die Ferne und der untere Horizont einerWeitsicht annimmt, wenn man sie verkehrt durch die Beine besieht, erklärt sich nachüem Gesetze des gemischten Kontrastes noch bestimmter dadurch, dass die untereHälfte der Netzhaut, durch das Blau des oberen Himmels übersättigt, für Orange dis-ponirt wird, während gleichzeitig die obere Hälfte der Netzhaut durch das duftigeOrange der Horizontnähe ein blaues Spektrum in sich aufnimmt. Nun stelle ich michplötzlich überkopfs, so dass das Spektrum in der unteren Hälfte der Netzhaut, welchesorangefarben ist, plötzlich mit der orangefarbenen Horizontlinie zusammenfällt und dasblaue Spektrum der oberen Hälfte derselben gleichzeitig mit dem Blau des Zeniths