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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Stoffe. Wolle.

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Die besondere Eigenschaft des Filzens der Wolle wurde gleichfallsschon frühe bei den genannten Völkern zu industriellen Zwecken benützt,besonders für Kopfbedeckungen (der rotlie orientalische Fess ist uralt undhat sein Vorbild in der assyrischen gleichfalls purpurrothen Mitra), Fuss-teppiche und Fussbekleidungen. Das Grabmal des Kyros war mitPurpurdecken oder gefilzten Teppichen aus Babylon belegt. 1 DemetriosPoliorketes trug purpurne Filzsohlen mit reichen Goldstickereien vorneund hinten. 2

Das Land der Wunder, Indien, fertigte und versandte seine Kaschmir -shawls schon in den ältesten Zeiten; wahrscheinlich hat dieses köstlicheWollenprodukt seit Tausenden von Jahren keine wesentliche Veränderungder Fabrikation und des Stiles erlitten. In Eamajäna werden unter denHochzeitsgeschenken des Königes von Videha an seine Tochter Sitaw o 11 ene Tücher, Pelzwerk, Edelsteine, weiche Seide und vielfarbigeKleider, Schmuck u. s. w., auch grobe wollene Zeuge oder Teppiche,die über die Wagen gespannt wurden, erwähnt. Die wollenen Tücherkönnen nichts anderes bedeuten, als jene feinsten Wollgewebe Indiens ,in welchen der hier besprochene Rohstoff in seiner raffinirtesten technisch-stilistischen Durchbildung hervortritt.

Den Hellenen in der höchsten Kulturperiode war die Wolle derbeliebteste Kleidungsstoff. Der volle Faltenwurf der Wolle trat an dieStelle der gekniffenen und welligen Linnenzeuge und Baumwollengewebe(vestes undulatae). Der ionische althellenische Chiton (das Unterkleid) warLeinen, der dorische Wolle. Diese Wahl des zur Selbsterkenntniss gediehenenHellenen ist für die Stilfrage, so weit sie sich an den rohen Faserstoffknüpft, von höchstem Interesse. Der griechische Wollstoff war einfach,ungewürfelt, ungemustert und nicht haarig befranst, wie das assyrische■XXavLSiov ; er war ganz und allein darauf berechnet, den schönsten, fein-sten und vollsten Faltenwurf zu geben, dessen Entwicklung durch keinMuster und kein breites Fransenwerk gestört werden durfte. Der Gradder Stärke des Gewebes, die Feinheit des Stoffes und dessen Farbe wurdeso gewählt, wie sie für das Geschlecht, die Grösse, den Charakter desdamit zu Bekleidenden am passendsten schien, denn die Hausfabrikationder Gewebe und Kleider wurde bei den Griechen stets in Ehren gehaltenund gepflegt. Es Hessen sich dafür aus den Autoren ganze Haufen vonCitaten anführen. Erst nach der Alexanderzeit kam asiatischer Luxus

1 Xenoph. und Aman VI. 29.

2 Ätlienaeus XII. 530.