Textile Kunst,. Stol'fe. Wolle.
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Er berief deutsche Weber und Spinner in seine Staaten, welche dieBereitung der feinsten Tuche und vorzüglich der fast eben so hoch wiedie Purpurseide geschätzten Scharlachtuche 1 verstanden. Von Flandern und Belgien verpflanzte sich dann die feine Tuchfabrikation zunächstnach Florenz (wo eine eigne Zunft, harte della Calimala, der Verfeine-rung des aus Deutschland und den Niederlanden importirten, grobenTuches oblag), dann nach den übrigen industriellen Städten Italiens : Mai land , Genua und Neapel . In Florenz blühte die Wollenweberei (artedella lana) bereits im Anfänge des XIV. Jahrhunderts. Nach Giov. Vil-lani waren 200 Gewölbe für Wollenverkauf schon damals in Florenz ,wurden 70 bis 80000 Stücke Tuch des Jahrs gefertigt, während zwanzigAppretirungsanstalten jährlich für 30000 Goldgulden ausländisches Tuchverfeinerten. 30000 Personen lebten von dieser Industrie. Diese ver-feinerten Tuche gingen meistens nach dem Orient, während die grobenTuche von den, im XIV. Jahrhundert noch in republikanischer Einfach-heit lebenden, Bürgern von Florenz selbst gebraucht wurden. Auch dasFärben der Wolle erfuhr grosse Vollendung im damaligen Florenz ; dieFamilie Rucellai trug ihren Namen von einer Seealge Lichen Rocello,welche im Jahre 1261 ein gewisser Alamanno im griechischen Archipelentdeckte und die mit Zusatz von Urin der Wolle eine kostbare violetteFarbe gab. Später (im Jahre 1460) waren die Gewölbe bis auf die Zahl275 gestiegen, seitdem verminderte sich der Umfang dieser Industrie vonJahrhundert zu Jahrhundert.
Während der bürgerlichen und darauffolgenden religiösen Unruhenin Flandern und Brabant wanderten viele der geschicktesten Wollenwebernach fremden Staaten hin aus, die meisten nach England, ein Theil nachDeutschland .
Ihnen verdankt England den Flor seiner Wollenindustrie. In derMitte des XVI. Jahrhunderts, zur Zeit Eduards III., flüchteten über100000 Wollenweber aus Flandern meistens nach England. Uebrigenswaren die englischen Färbereien, besonders die Waidfärbereien, schonbei den Alten berühmt; eben so galten bei den Skandinaviern des XI.,XII. und XIII. Jahrhunderts die englischen und irischen Fabrikate fürsehr ausgezeichnet.
Frankreichs Tuchmanufakturen brachte vorzüglich Colbert in Aut-