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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Von ihnen erst erlernten die Inder den Seidenbau, nachdem siewahrscheinlich lange Zeit hindurch die köstlichen serisehen Stoffe aus

Heiligenbildern, Engelgruppen auf Goldgrund, oft von grosser Schönheit aber im Stileverfehlt), macht sich besonders in Italien geltend, derselben Richtung in anderem Sinneangehörig die architektonisch-verzierten Stoffe des Nordens. Zweite Richtung: das reindekorative Pflanzengeranke, offenbar eine ursprünglich maurische oder sarazenischeFlächendekoration, wird typisch und wiederholt sich in unzähligen Variationen einvolles Jahrhundert hindurch bis zum Schlüsse des Mittelalters, bekannt unter demNamen der pommes d’amour. Ueberhaupt macht sich, besonders in den profanenKleiderstoffen, der heraldische Unsinn und die Geschmacklosigkeit des späten Ritter-thumes geltend. Dagegen gibt sich in den Tapetenstickereien (Arazzi) das Prinzip derRenaissance, der Einfluss der höheren Kunst (der Malerei) auf die Kleinkunst desWeberstuhles bereits zu erkennen.

Im Laufe dieser Periode behalten die Stoffe „von Jenseit des Meeres“, so wie diemaurischen Spaniens neben den europäischen Fabrikaten, noch immer ihren altenRang, wenn schon in steter Abnahme begriffen. Das reingeometrische Muster, ähnlichden blumendurchwirkten Bandgeflechten auf den Getäfeln der Alhambra , neben demDamastmuster, bezeichnet diese späteren maurischen Fabrikate.

Die italienische Manufaktur findet zu Ende dieser Periode gefährliche Kon-kurrenten in den Fabrikstädten, die nach und nach im Westen unter dem kunstfertigenEinflüsse herangezogener italienischer Auswanderer emporblühen; Lyon , Tours, Vitrein Bretagne. Später (XVI. Jahrh.) Montpellier, Orleans, Paris . — Frühe Etablissementszu Brügge, Gent, Mecheln, Ypern , schon im XIII. Jahrhundert gegründet, besondersberühmt durch die dort bereiteten Satins und Sammtstoffe.

Die fünfte Periode bereitet sich mit dem Anfänge des XV. Jahrhunderts vor.Die Kleinkünste, unter ihnen die textilen Künste, folgen der herrschend werdendenRichtung und zeigen in dem Prinzipe der Ornamentation ein freies Wiederanschliessenan die verlassenen Traditionen der indogermanischen (gräkoitalischen) Kunst, mit Ver-leugnung tausendjähriger barbarischer Einflüsse des Ostens. Mehr noch bewährt sichder neu erwachte Sinn für Harmonie und die bessere Richtung des Geschmacks indem Kleiderwesen und den Draperien durch die Unterordnung dieser letzteren unterdasjenige, dem sie dienend sich anschliessen, durch minder schreiende Farben undVermeiden des Bunten. Vorherrschen der eintönigen Stoffe, des Weissen, Braunen,Violetten, Schwarzen, überhaupt des Dunkelfarbigen mit Goldverzierungen; wohlberech-netes Verhältniss des Musters zu dem Bekleideten in Form und Farbe. AbsichtlichesVermeiden des Bedeutungsvollen (Symbolischen) in den Mustern, das allerdings in derZeit der Spätrenaissance, als der freie, kecke und phantasiereiche Geist des XV. undXVI. Jahrh. nachliess und ein kalter klassischer Schematismus dafür an die Stelletrat, eine gewisse Leerheit in den Formen dieser letzteren nach sich zieht. WahrerDamaststil auf den Bildern von Paul Veronese . Wahrer Stickereistil auf denen desRaphael. Wahrer Sammtstil auf denen des Titian . Wohlverstandener Seidenstil selbstnoch im Zeitalter Ludwigs XIV. Das Verkümmern der liturgischen Gewänder in dieserPeriode ein unbewusster aber gesunder Protest gegen den Assyrismus derselben. Diegrossartigen historiirten Tapeten, das Höchsterreichbare des Webstuhls, gehören derFrühzeit dieser Periode an und sind Produkte der erhabensten Kunstentwicklung. Wa-rum also dieselben gegen die früheren Verschrobenheiten zurückstellen '<