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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Stoffe. Seide.

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benützten die Festigkeit des Seidenfadens, verbunden mit dessen Glanze,um ein feines, metallschimmerndes Strameigewebe daraus zu schaffen.

So machten es die Hellenen mit vielen anderen fremden Ueber-kommnissen, — ja man möchte in diesem Beispiele ein inbegrifflichesBild der gesammten Kunst und Gesittung der Hellenen erkennen: —auch sie ist sekundäre Schöpfung; nicht der Stoff, wohl aber die Ideeist neu, die den alten Stoff belebt.

Erst langsam und nie ganz, bis zu der byzantinischen Zeit, konntesich das Alterthum an den Stil der Seidenindustrie gewöhnen und ihn insich aufnehmen. Der Grieche musste Barbar, er musste erst Chinesewerden (was zur Zeit des Justinian und unter den ihm nachfolgendenKaisern geschah), bevor der Seide auf europäischem Boden ihr Rechtwurde, ehe der Seidenwurm sich hier ganz einbürgern konnte. Zur selbenZeit, erst unter den Sassaniden, scheint der Seidenstil auch im Orient,nämlich in den Ländern, die einst der Sitz der uralten, westasiatischenCivilisation waren, in Persien, Mesopotamien und Kleinasien tiefere Wurzelgefasst zu haben; diess erkennt man an den bekannten barocken Reiter-figuren der sassanidischen Herrscher hei Persepolis , und sonst an Felsenin Persien , deren knittriges, flatterndes Kostüm offenbar aus Seidenstoffenbesteht, während an den altpersischen Figuren, die unfern von ihnen inden Felsen gehauen sind, sich der Faltenwurf der wollenen Stoffe un-zweifelhaft kund gibt.

Die Gewandung jener merkwürdigen Königsfiguren beweist, dassder Stoff, den der Bildhauer mit charakteristischer Sorgfalt in seinenEigenthümlichkeiten nachzubilden bemüht war, ein dünner Taffent oderAtlas oder etwas Aehnliches gewesen sein musste. Das Seidenzeug,welches hier zweifelsohne dargestellt ist, erinnert an die leichten indischenStoffe, wie sie noch jetzt in diesem Lande im Gegensätze zu den chine-sischen, japanesischen und anderen orientalischen schweren Seidengewebenvorzugsweise producirt werden, und ward sehr wahrscheinlicherweise auchvon Indien aus bezogen.

Gleichfalls durch die Leichtigkeit des Stoffes eine gewisse allge-meine Stilverwandtschaft mit Indiens zarten Fabrikaten verrathend, aberdarin ganz von jenen atlasglänzenden Seidenprodukten verschieden, dassder eigentliche Seidenstil noch gar nicht deutlich an ihnen hervortritt,sind einige wenige sehr merkwürdige Ueberreste von Zeugen, hei denenSeide verwandt wurde, die ihrem Charakter und dem Habitus der daraufdargestellten ornamentalen und historischen Gegenstände nach zu schliessen,griechische oder römische Arbeit sind und aus den früheren Jahrhunderten