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Viertes Hauptstiick.
des Christenthums stammen. Weniges davon ist veröffentlicht worden,weil sich die christliche Archäologie mit besonderer Vorliebe auf dasStudium einer anderen Kunstrichtung wirft, als diejenige ist, deren letzteReminiscenz sich hier ausspricht, obschon sich gewiss noch manches kost-bare Stück der genannten Art in den Reliquiarien der Kirchen erhalten hat.
Ein interessantes sehr altes Gewebe, den sogenannten Schleier derheiligen Jungfrau zu Chartres , hat Villemin in seinem bekannten Werkeveröffentlicht, andere ähnliche erinnere ich mich hie und da auf meinenReisen gesehen zu haben.
Die erwähnte Reliquie ward urkundlich von Karl dem Grossen derKathedrale von Chartres verehrt, muss also schon damals wenigstens dasAnsehen eines sehr ehrwürdigen Alters gehabt haben. Sie besteht ausfeinem Stoff aus Linnen oder Baumwolle von gelblicher Farbe (wahr-scheinlich der Farbe des Rohstoffs), und bildet eine Schärpe von sechsFuss Länge und ungefähr achtzehn Zoll Breite. An beiden Enden be-findet sich ein breiter Bort, der aus vielen der Quere nach eingewebtenschmaleren und breiteren Streifen besteht, deren Farben violett, schwarz-blau und grün sind . 1 Am äussersten Ende ist der Stoff violett befranst.Der helle Grund ist regelmässig gemuscht, durch eingewebte Müschenderselben Farbe, Vögel und Rosetten darstellend, dessgleichen in denZwischenräumen der Streifen. Auf diesen aber sind buntfarbige Sticke-reien aus Seide angebracht; der breiteste Streifen bildet einen Fries vonLöwen und palmettenartigen Pflanzen Verzierungen, die miteinander ab-wechseln. Der Stil dieser gestickten Verzierungen, sowie jener, die ein-gewebt sind, orientalisirt, aber erinnert zugleich lebhaft an die antikeKunst, namentlich gilt dieses von den vielfarbigen fast geometrischenMotiven der schmaleren Streifen, die so ganz im Stickereistile gehaltensind, und deren ganz ähnliche sich auf den Einfassungen der Wandfelderzu Pompeji finden. Ich beanstande nicht, diesen Stoff, in welchem dieSeide nur zu der dekorativen Bereicherung benützt ward, für antik zuhalten, etwa für einen Nachklang der berühmten koischen Industrie.
Unter den Ueberresten wirklicher Seidenzeuge scheint mir dasmerkwürdige Stück, welches in Chur in der Schweiz aufbewahrt wirdund wovon ein Theil, glaube ich, an den Erzbischof von Köln verschenkt
1 Diese Streifen Messen bei den Griechen <rr/f lara, bei den Römern viae odertrabes, und bildeten neben den Müschen oder Füttern (xEj^poi, clavi) die Zierde derkoischen Gewänder: lila gerat vestes tenues quas femina Goa Texuit auratas dis-posuitque vias. (Tibull. TI. 3, 54.) Siehe auch Democritus apud Atbenaeum 1. c.