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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

tausendjährige Praxis und Erfahrung gelangen konnte, zeugt von demAlter und dem wahrscheinlichen Ursprünge derselben in jenen östlichenLändern. Nun ist der Atlas, wie ich überzeugt bin, eine Nachahmungder Plattstickerei in Seide durch den Webstuhl und bleibt es selbst, wenner den Grund bildet und sich gewisse Muster entweder gleichfalls in derWeise des Atlas oder in anderer Textur auf demselben abheben. Hieraufbegründet sich meine Ansicht vom Ursprung der in Rede stehendenWebearbeit aus China oder Indien . Dass dieser Stoff frühzeitig seinenWeg nach Persien und dem Euphratthale fand, glaubte ich an denskulpirten Gewandfiguren des Thaies von Murgaub zu erkennen (sieheoben). Wann derselbe nach Europa herübergekommen sei, ist schwerzu sagen. Es wurde bereits erwähnt, dass die ältesten in christlicherZeit in Europa eingeführten oder dort fabricirten Seidenstoffe, so vielsich aus den erhaltenen Ueberresten schliessen lässt, durchgängig ein-fache Kreuzgewebe oder geköperte Levantine von sehr starker Textur sind.Doch zeugen sehr alte gestickte Messgewänder, deren Grund aus Atlasbesteht und von denen Herr Bock in seinem Buche mehrere erwähnt,dass dieser Stoff wahrscheinlich schon mit dem VII. oder VIII. Jahr-hunderte und gleichzeitig mit den bereits besprochenen neubabylonischenThierstoffen in Europa eingeführt und vielleicht auch in den oströmischenFabrikorten schon nachgemacht worden sei.

Ich habe unter den verschiedenen Benennungen für Seidenstoffe,die im Anastasius und sonst so zahlreich Vorkommen und meistens überderen richtige Deutung zweifelhaft lassen, eine aufzufinden gesucht, welchefür den in Rede stehenden Stoff am bezeichnendsten sei; ich glaube denso oft vorkommenden Ausdruck blattin dafür zu erkennen. Allerdingsheisst blatta, wie behauptet wird, ursprünglich das rothfärbende Insekt,die Kermes, das vormals statt der Cochenille zum Hochrothfärben diente,aber es ist erwiesen, dass dieser Name, wenn er für Stoffe gebrauchtwird, mit der Farbe, von welcher er herrührt, wenig im Zusammenhangsteht, eben so wenig wie dieses beim Scharlach und beim Purpur derFall ist, die beide auch Benennungen für Stoffe sind, deren Gemeinsamesnicht das Kolorit sondern irgend eine, bis jetzt noch nicht genau erkannte,technische Eigenthümlichkeit sein muss. Jedoch möchte ich beinahebezweifeln, dass blatta ursprünglich das rothfärbende Insekt bezeichne,ich denke bei diesem Worte unwillkürlich an Blatt, d. h. an eine glatteOberfläche von glänzender und satter Färbung. Dass übrigens dasFeuerroth, das Coclico, das aus dem Safte des Kermesinsekts oder ausden Galläpfeln, die es an den Blättern erzeugt, gewonnen wurde, die recht