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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Vor allen berühmt war der Satin de Bruges , dessen sehr häufigeund rühmliche Erwähnung geschieht und der in den Inventarien derKirchenschätze und in Staatsrechnungen aus dieser Zeit oft genannt wird . 1

Der Atlas gestattet mehr als jeder andere Seidenstoff die feurigsteund lebhafteste Färbung und den grellsten Kontrast in der Nebenstellunganderer Farbentöne. Denn das reflektirte Licht, welches von der metall-ähnlichen Oberfläche dieses Stoffs zurückgeworfen wird, erscheint alsweiss, wogegen die Tiefen der scharf kontourirten eckigen Falten stetsdunkel, beinahe schwarz sind, gerade wie diess bei dem Metalle der Fallist, somit tritt ein mildernder Dreiklang hervor, da die Lokalfarbe stetsvon Weiss und Schwarz so zu sagen in die Mitte genommen wird. Zu-gleich spiegelt der Atlas die nebengestellten Farben unter allen Stoffenam lebhaftesten und entschiedensten zurück, so dass durch den Reflexso zu sagen eine Brücke gebaut wird, die den schroffsten Farbenabstandvermittelt. Hieraus folgert sich aber nothwendig als Regel, ihm nursolche Farben zur Seite zu stellen, die mit der Farbe des Atlas im Reflexevermischt und verschmolzen keine unangenehmen Töne hervorbringen.So würde z. B. feuerfarbener Atlas als Stoff des Untergewandes nichtwohl zu einem violetten Ueberwurfe stehen, weil die Reflexfarbe einschmutziger aus Roth, Gelb und Blau gemischter Ton würde. Gemusterterund damastartig geblümter Atlasgrund verträgt reichere und buntereDessins als irgend ein anderer. Er übertrifft in dieser Eigenschaft sogarden Goldgrund, wenn dieser nicht etwa die Textur des Atlas erhält.

Welchen Einfluss dieser Stoff auf die Malerei und Skulptur gehabthabe, ergibt sich aus den Werken der deutschen und niederländischenMeister zu Ende des XV. und zu Anfang des XVI. Jahrhunderts, undunter diesen zeigt er sich am entschiedensten bei Albrecht Dürer , dessengeknickter Faltenwurf so recht bewusstvoll von ihm, aus Vorliebe fürdiesen Stoff, gewählt wurde. Der Vergleich dieser deutschen Auffassungdes Stofflichen mit dem, was die italienischen Meister, namentlich Titian und Paul Veronese daraus gemacht haben, ferner mit dem, was unterden Händen der holländischen Meister des XVII. Jahrhundertes daraushervorging, bietet vielfachen Anlass zu Vergleichungen, nicht bloss fürMaler und Kunstforscher, sondern eben so sehr für Seidenfabrikanten,Kostümiers und Damen, die bei der wichtigen Toilettenfrage ihren an-geborenen Geschmack durch Stilstudium zu unterstützen nicht für über-flüssig halten.

1 Vergl. Book an der citirten Stelle.