Textile Kunst. Prozesse. Geflecht.
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aber in der Bereitung des Geflechts momentan immer nur drei einfacheoder mehrfache Stränge aktiv sind, so dass nach bestimmten Gesetzenimmer aktiv gewesene Stränge fallen gelassen und dafür der Reihe nachandere aufgenommen werden. Das Rundgeflecht bringt den Wulst (torus)hervor und ist in der Sattlerei sehr gebräuchlich. Als Litze dient dasRundgeflecht auch in der Kunst des Posamentiers und ist es überhaupt,wie schon erwähnt, ein sehr nützliches Straiigwerk, das zu den solidestenGebinden, z. B. zu Ankertauen, benützt wird. Es ist für ungeschmeidigeStoffe, z. B. für Metalldrähte, die geeignetste Verbindung vieler Drähtezu einem. Dieser Fadenkomplex ist der reichsten ornamentalen Ausbil-dung fähig und gleichsam von absoluter Eleganz; mit gutem Rechte daherwählte ihn vielleicht schon die Mutter des Menschengeschlechts als Haar-schmuck und möglich, dass durch diese Vermittlung der Zopf eins derfrühesten und am meisten benützten Symbole der technischen Künstewurde, von denen die Baukunst dasselbe entlehnte. Es lässt sich derZopf auf ebenen so gut wie auf cylindrischen und ringförmigen Ober-flächen gebrauchen, wobei immer der Begriff des Bindens durch Ideen-association vergegenwärtigt wird. Diess ist bestimmend für den Gebrauchund die richtige Anwendung desselben. Die Modalität und Intensität desBandes wird gleichfalls in gewissem Grade ausdrückbar durch die Artund Stärke des angewandten ornamentalen Geflechts. Das Maximum derStärke z. B. ist ausgesprochen durch jenes reiche Riemengeflecht, wiees an den Basen der attisch-ionischen Säulen und sonst vorkommt.
Das Weitere über die Aestlietik dieser interessanten Produkte dertextilen Kunst muss ich den gebildeten Posamentiern, Sattlern und vorallen den Haarkünstlern anheimgeben, welche letztem in der That intechnischer Vervollkommnung des Zopfs das Mögliche erreichten unddurch ilm den Geschmack ganzer Jahrhunderte beherrschten.
Das Geflecht ist nicht allein geeignet, in dem Sinne der Ausdeh-nung nach der Länge desselben vermöge seiner absoluten Festigkeit zuwirken; es dient zugleich als Naht zu der Verbindung zweier Gewand-flächen und wird als solche in dem Sinne der Ausdehnung nach derQuere thätig. 1
Als Naht bildet das Geflecht ein wunderbar reiches Motiv zuornamentaler Benützung in allen Kleinkünsten und selbst in der Baukunst,wie bereits oben gezeigt wurde.
1 Ueber die Verwandtschaft der Naht mit dem Saume wurde bereits obengesprochen; in dieser Beziehung ist auch der Saum ein Grundmotiv der Spitzen-fabrikation.