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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Prozesse. Färben.

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und der Gegensatz gegen die früher genannte Gattung der Färberei mitSeeprodukten sich so besser ausspricht. Auch diese terrenischen Farbenbehielten ihren Naturton und man hütete sich, aus den natürlichen Pro-dukten den abstrakten Färbestoff herauszudestilliren und der Farbe soalle Individualität zu nehmen.

Man versuchte auch Mischungen und Vermählungen zwischen beiden;z. B. präparirte man tyrischen Purpur mit Coccus, woraus eine Farbehervorging, die hysginum 1 hiess. Doch tadelt Plinius diess als eineU eberfeinerung.

So verknüpfte ein doppeltes Band die künstlich gefärbten Stoffeunter sich und mit der Natur, indem letztere im Stoffe und in den Farbenihr besonderes Gepräge behielt. Disharmonieen waren auf diese Weiseunschwer vermieden und die herrlichsten Wirkungen des Gleichgewichtsder Farben sowie der Kontraste erleichtert und vorbereitet. Dieses klas-sische Prinzip des Färbens reflektirt sich deutlich in den Benennungender Farbennüancen, die bei Kleidern, Teppichen und sonst die beliebtestenwaren. Abstrakte Farbenbenennungen, wie roth, schwarz, gelb, blau,grün etc. sind selten, immer hat die Farbe ein bestimmtes Naturphänomenzum Vorbilde. Besonders bezeichnend ist in dieser Beziehung folgendeBeschreibung, die uns Ovidius von dem römischen Longchamp am Uferder Tiber gibt: „Der schönste Frühling konnte unter dem sanften Himmel„Lusitaniens die Fluren nicht mit mehreren und schöneren Farben klei-„den, als jetzt die Fluren an der Tiber schmücken, wenn der Frühling„unsere Schönen zum Spaziergange herauslockt. Es fehlt an Namen, um„alle diese Farben zu unterscheiden. Die paphische Myrte oder das„dunklere Laub der Eiche, der Mandelbaum, das Wachs müssen der„Wolle Farbe und Namen geben. Die weisse Rose muss sich übertroffen„sehen. Hier tritt die Farbe der Luft hervor, wenn kein Gewölk sie„trübt, dann fliesst der Blick von dieser Farbe zu der des Wassers hin-„über. Dort bricht, sicher alles zu verdunkeln, gleich der Göttin des„thauigen Morgens, das lichtere Roth hervor, in seinem Gefolge ist die„Farbe des goldenen Flieses und des tiefgesättigten Amethyst. So viel-fältig schimmert nicht der Nymphen Reigen in seinen mannichfachen„Gewändern, und vereinigten sich auch aus dem Meere, aus Quellen,„Wäldern und Bergen alle Göttinnen und alle Farben, denen sie und die„Natur gebieten.“ 2

1 Das Türkischroth oder etwas Aehnliches.

2 Meierotto über Sitten und Lebensart der Römer, II. S. 213. Graev. Thes.A. R. vol. VIII. S. 1310 ff. Ovid . de arte am. 3, 165.