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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Die Phönikier werden als die Erfinder dieser Färberei angegeben,durch sie verbreitete sich der Geschmack und die Vorliebe für den Purpurüber Europa, Afrika und Asien . Sie blieben keineswegs im alleinigenBesitze dieser Industrie, aber sie sahen sich im Stande, durch die Um-stände begünstigt, sie zu einem hohen Grade der Vollkommenheit zubringen und diesen Vorrang zu behaupten. Der geeignetste Stoff fürPurpurfärbung war die Wolle, doch gelangte man auch dahin, das Linnen,die Baumwolle und die Seide mit Purpur zu färben. Man präparirte dieWolle zuerst mit dem Safte des buccinum und tauchte sie hernach in denSaft der purpura, dieses gab den gefeierten Amethystpurpur; oder manverfuhr umgekehrt und erreichte dann die prachtvolle Farbe des dichtenBluts, den Ruhm und Stolz der tyrischen Färbereien! So gefärbte Stoffehiessen purpurae dibaphae. Diesen beiden königlichen und geheiligtenPurpursorten und dem unechten (ungemischt fast nur zu Fälschungenverwandten) buccinum stand das generelle Conchylum gegenüber, wel-ches alle helleren, bläulichen und gelben Töne umfasste. Der Processdes Färbens war ziemlich einfach, so viel sich aus der Hauptstelle dar-über bei Plinius 1. c. entnehmen lässt. 1 Doch gab es dabei eine MengeHandgriffe, besonders um den Grad zu bestimmen, bis zu welchem dieFarbe eingekocht werden musste.

Zu den gelblichen, bläulichen xmd grünlichen Conchyliumfarbenwandte man in Verbindung mit dem Purpursafte die verschiedenen See-grasarten und sonstige Produkte des Meeres an, wie diess die oben citirteAndeutung des Plinius bestätigt.

Die zweite, dem Purpur gegenüber stehende grosse Gattung derFärberei ist die vegetabilische (colores lierbaceae), die vielleicht bessermit einem anderen Ausdrucke des Plinius die terrenische heisst, weilauch Thiere, z. B. die Kermeswürmer, dabei als Farbe benützt werden

1 Vergl, über den Purpur der Alten: Amali, de restitutione purpurarum (3. Aus-gabe, Gesena 1784) mit angehängten Abhandlungen von Capelli, de antiqua et nuperapurpura, und Don Micliaele Rosa, dissertazione delle porpore e delle materie vestiariepresso gli antichi 1786 — Heerens Ideen. 1. Theil 2. Abth. p. 88. — A. Th. Hart-mann, die Hebräerin a.m Putztisch etc. Th. 1. S. 367. — A, Schmidt, die griechischenPapyrusurkunden der königl. Bibliothek zu Berlin, Berlin , 1842. •— In Beziehung aufLesung und Auffassung des leider korrumpirten Textes der Plinianischen Notiz überdie Sorten der Purpurfarben und ihre Bereitung treffe ich nicht in allen Punkten mitHerrn A. Schmidt zusammen. Doch haben diese Fragen keinen weitern Bezug zu demvon mir im Texte aufgestellten ästhetischen Prinzip, um dessen Darlegung es mir hierallein zu thun war, wesshalb ich sie hier nicht berühre, aber in den Schlussbemer-kungen zu diesem Hauptstück darauf zuriickkomrne.