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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Neuseeland und Polynesien.

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dieser Gehege mit Holzschnitzwerk verziert, wobei das Hauptornamentdie am Giebel sich überkreuzenden Dachfetten bilden, die, ähnlich wiean den niedersächsischen Bauernhäusern, über den Firsten des Dacheshinausragen und wieder mit tättowirten Popanzen endigen. Ausserdembezeichnet Schnitzwerk und Polychromie nach dem Prinzipe der Tätto-wirung auch andere Hauptbestandtheile des Hauses, z. B. die Thürpfosten,und bilden diese Elemente der Verzierung einen, nach Umständen spar-samer oder reicher vertheilten, inneren und äusseren Schmuck desselben.

Die Bilder sind auch zuweilen selbst Produkte der textilen Kunst.Sie haben in Oweihi die Form der Brustbilder, die „aus einer Art dün-„nen biegsamen Holzes sammt dem Halse, Kopf, Nase, Mund und Ohren„geflochten sind.“ 1

Das Flechtwerk und selbst die Weberei hat bei diesen merkwürdigenkulturfähigen Bewohnern der Südseeinseln von weisser Race, die einerobernder Stamm sind, zwar weitere Fortschritte gemacht, doch ohnespäter auf die Architektur einzuwirken, die offenbar schon vorher in for-maler Beziehung vollständig geregelt und arretirt war.

Die Ausbildung und vielfältige Anwendung des Schnitzwerks inHolz bei diesen Völkern ist um so merkwürdiger, als sie den Gebrauchdes Metalls vor der Zeit der europäischen Ansiedelungen nicht kannten.Der Geschmack, den sie dabei zeigen, so lange sie im reinen Ornamenteverbleiben und keine kalligraphische konventionelle imagines hominum etanimalium darstellen, ist originell und reich, oft geschmackvoll, erinnertaber mehr an Rococostil als an den Ursprung der Kunst. Ich habe schonfrüher die Hypothesen erwähnt, zu welchen diese Erscheinungen Anlass geben.

Die Morais, zugleich Grabmäler, Opferplätze und Tempel, sind aufähnliche Weise mit verziertem Pfahl- und Zaunwerke geschmückt. —

Die Töpferei ist dafür bei diesen Völkern sehr wenig fortgeschritten,kaum dass sie das Brennen der Thonwaare kennen und üben. —

Die Modelle neuseeländischer Pahs, einige Schnitzwerke und dielithographirte Darstellung eines solchen Pahs oder neuseeländischen Dorfes,neben einigen derartige Zustände gebenden Originalzeichnungen, die aufder Londoner Exposition von 1851 ausgestellt waren, hatten für die Archi-tekten nicht geringes Interesse. 2

1 Klemm's Kulturgesch. der Menschheit, der die dahin bezüglichen Schriften undReisebeschreibungen anführt.

2 Als Eigenthümer dieser Lithographie und der Zeichnungen, die wahrscheinlichauch später lithographirt worden sind, wurde P. G. Moore, 30 Arundel-Street, Strand,London genannt, bei dem sie wohl auch zu erfragen sind.

Semper, Stil. I.

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