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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Indien .

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Ich gehe noch um ein Bedeutendes weiter und erkenne dem Bild-hauer nicht einmal das Verdienst zu, jene Umbildung des Holzstiles inden Monolithenstil, wie er nun einmal fertig an jenen Pagoden sich zeigt,unmittelbar hervorgerufen zu haben und der eigentliche Urheber jenercharakteristischen Ueberfülle an bildnerischer Ausstattung, die sie aus-zeichnet, zu sein.

Es ist nämlich der Analogie mit den Anfängen anderer Stile ganzentgegen, dass dieser Reichthum erst von ihm ausgegangen sein sollte,er musste viel früher bestanden haben, ehe er in dem festen Steineschwierige Nachahmung fand. Das stoffliche Medium, das diesen figür-lichen und schwülstigen Reichthum begünstigte und entstehen half, mussteein ganz verschiedenes sein, ganz die entgegengesetzten Eigenschaftendes Steins haben.

Dieses lehrt uns gleichsam schon der gesunde Menschenverstand,und die Beobachtung bestätigt es bis zur Evidenz.

Das Medium, das ich voraussetzte, ist seit den undenklichsten Zeiteneines der wichtigsten Agentien der indischen, ja überhaupt der orientali-schen Baukunst und Bildnerei, ich meine den Stuck. — Und hierstehen wir wieder mitten in unserem Thema über das Bekleidungsprinzip,welches, wie ich behaupte, die gesammte antike Kunst beherrscht.

Ueber das Alter und den Umfang der Sitte, die Gcbäudetheilemit Stuck zu bekleiden, geben die sanskritischen Schriften mehrfachenAufschluss:

In jener Stelle des Ramajana, worauf ich oben hindeutete, in derBeschreibung der Stadt Agodhya, die Manu, der Vater der Menschen,selbst erbaut hat, heisst es: Paläste schmückten sie von ausgezeichneterArbeit, hoch wie Berge, und schöne Häuser gab es da in Menge, dieaus vielen Stockwerken bestanden, das Ganze glänzte wie Indra’s Himmel.Ihr Anblick hatte eine bezaubernde Wirkung, die ganze Stadt erhieltdurch wechselnde Farbe Lebendigkeit, und regelmässige Laubgängevon süssduftenden Bäumen erfreuten das Auge. Sie war voll von kost-baren Steinen. Ihre Mauern mit bunten Feldern glichen einemSchachbrett u. s. w. 1

Noch deutlicher weist folgende Stelle aus einem alten indischen

1 Noch phantastischer und zauberhafter ist in dem Mahabharata das Bild derWunderstadt Dovaraka die Visvacarma der himmlische Baumeister auf Krischnas Befehlerbaut, welches bei dem Dichter die Kenntniss der Metallinkrustationen, des Mosaiksund der polychromen Stuckbekleidung voraussetzen lässt.