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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Drama , 1 welches angeblich aus dem II. Jahrh. vor unserer Zeitrechnungstammen soll, auf den häufigen Gebrauch des Putzes selbst bei Pracht-bauten hin. Es wird ein Palast von zauberischer Pracht beschrieben:über den Thoren erhebt sich der Bogen von Elfenbein und darüberwehen Plaggen mit wildem Safran gefärbt, deren Fransen im Winde

flattern als winkten sie: Tritt ein, tritt ein!.die Felder

der Thür sind von Gold und Stuck und sie glänzen wie die diamantne

Brust eines Gottes. Siehe da, hier ist ja eine Reihe von

Palästen glänzend wie der Mond, wie die Muschel, wie der Stengel einerWasserlilie — der Stuck ist hier handhoch aufgelegt. GoldneStufen, mit verschiedenen Steinen ausgelegt, führen zu denoberen Zimmern, von wo krystallene Fenster mit Perlen eingefasst undblitzend wie die Augen eines vollwangigen Mädchens niederschauen.

Vom Eingänge des sechsten Hofes heisst es, er sei bogenförmigauf saphirnem Grunde mit Gold und vielfarbigen Steinen ausgelegt undsehe aus wie Indra’s Bogen in der azurnen Luft.

Bei dem wahrscheinlich durch den Uebersetzer verundeutlichtenSatze: „der Stuck ist hier handhoch aufgelegt,“ kann nur an erhabeneStückarbeit gedacht werden, denn sonst böte er gar keinen Sinn; damitwäre also aus einer Zeit vor der Entstehung der Felsenmonumente dieplastische Dekoration in Stuck nachgewiesen, während von der Stein-skulptur durchaus noch keine Rede ist, wohl aber von der reichstenPolychromie und der Mosaikbekleidung der Wände.

So ist es in der That, die Wandskulptur in Indien ist zunächstaus der Stuckaturarbeit hervorgegangen, obschon auch diese eine meta-morphosirte Technik ist, der die eigentlichste (textile) Bekleidung zumGrunde liegt.

Es gibt in Indien , und es lässt sich mit Zuversicht hinzufügen, esgibt in dem ganzen Oriente kein einziges Steinbildwerk aus antiker Zeit,das nicht mit Stuck oder Farbe überkleidet gewesen wäre. Wo beidessich nicht mehr zeigt, ist es abgefallen oder verblichen.

Will man jenen Gedichten, die zum Theil späteres Machwerk seinmögen, obschon gewiss ist, dass sie aus uralten Elementen zusammen-gesetzt sind, oder ihrer Auslegung keinen Glauben schenken, so gibt esMonumente aus früher Zeit, aus der Zeit des Azoka, welche diesen Ge-brauch des Stuckbekleidens in seiner ganzen ursprünglichen Ausdehnung

1 Wilson select specimens of the Theater of the Hindus etc. London 1835.Vol. 1. p. 82 sqq.