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Viertes Hauptstück.
schnitzwerken, die zum Schmucke eines kostbaren Möbels, einer hölzernenWandbekleidung, Thür oder dergleichen gedient haben mögen. Layard 1und Birch halten diese Gegenstände für assyrische Arbeit im ägyptischenStile, wogegen sie nach Andern echt ägyptisches W T erk und zwar, zumTheil wenigstens, Werk aus dem alten Reiche Aegyptens sind. Dafürspreche die auf den Kartuschen zweier Elfenbeintafeln enthaltene Hiero-glypheninschrift, die den Namen des Königs Ra-Ubn enthält, der langvor der achtzehnten Dynastie herrschte, dafür spreche noch deutlicherder Stil dieser Bildwerke, der offenbar der archaisch-ägyptische sei. Keinassyrischer Elfenbeinschnitzer noch selbst ein ägyptischer Künstler ausden Zeiten späterer Dynastien hätte unter anderem vermocht, den un-nachahmlichen Stil, das Katzenhafte, der archaischen Figuren wiederzu-geben. Anderes dagegen scheint nicht ägyptische aber eben so wenigassyrische Arböit zu sein, sondern mag aus Phönikien oder sonst woherstammen und als Beute nach Ninive geschafft worden sein. Alle dieseGegenstände aber tragen das Kennzeichen ältester Kunst, zum Theilgleichsam vorgeschichtlichen Zopfes, zwischen welchem und dem erstenAnfänge der eigentlichen historischen Zeit der Kunst noch ein weiterZwischenraum des Verfalls und der Barbarei angenommen werden muss. —Diess aber spräche nur von dem hohen Alter des ältesten Palasteszu Nimrud und von einer auch von Alexander und den Römern befolgtenSitte, die Säle der Königsburgen mit den Spolien eroberter Länder zuschmücken, keineswegs aber von einem durchgreifenden Einflüsse ägyp-tischen Wesens auf Assyriens Verhältnisse. — Vielmehr wird es mit denTraditionen aller Völker und selbst der Aegypter, die den Phrygierndas Vorrecht höheren Alters Hessen , übereinstimmen, wenn wir in West-asien den Ursprung aller derjenigen Erscheinungen in der Religion, derPolitik, der Gesittung und der Kunst suchen, deren Wiederhervortretenbei allen Völkern uns so sehr auffällt. Vielleicht war Alles, was dasBecken des Mittelmeeres umwohnte, einmal nach gleicher Gesellschafts-form gemodelt, wurde diese Einheit in Stücke gerissen und bildeten sichdie vereinzelten Bruchstücke derselben, von gleicher Basis ausgehend,nach dieser Trennung in eigenem Wesen aus, vielleicht erklärt sich dieSache besser nach der Hypothese der Wanderungen und des Colonisirens,vielleicht wirkte beides durcheinander, immer ist man gezwungen anzu-nehmen, dass gewisse älteste Typen der Kunst so wie der Religion, der
1 Siehe Layard’s Ninive und seine Ueberreste, übersetzt von Meissner. S. 200und 297 und dessen Monuments of Niniveh II. Series tab. 57—69.