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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Tapezierwesen der Alten. 259

häufigen aber allgemeinen und unbestimmten Hindeutungen der altenAutoren über diesen Gegenstand gewähren.

Auch Böttiger 1 beklagt sich über diesen Mangel, aber er hat beiseinem Desiderium ebenfalls nur den Teppich selbst und seine Malerei,nicht aber das für uns hier Wesentlichere, nämlich die Weise ihrer Ver-wendung, die eigentliche Kunst des Tapeziers, im Auge. Was ich daherbei diesem Mangel an Vorarbeiten als Ungelehrter darüber zu gebenvermag, darf kaum für den nächsten Zweck, den ich beabsichtige, genü-gend erscheinen, keineswegs auf Erschöpfenderes über diesen GegenstandAnspruch machen.

Die Tapezierkunst der Alten ist dieselbe, die sich bis auf den heu-tigen Tag in südlichen und östlichen Ländern, besonders in Indien, China und Persien , erhalten hat. Sie ist selbst bei uns in der katholischenKirchenregel und sogar in manchen profanen Gebräuchen wieder zuerkennen.

Dasjenige, was wir hier vor Augen sehen, wirft ein erwünschtesLicht auf die, zum Theil dunklen und lückenhaften, Mittheilungen derAlten über die res vestiaria der klassischen Vorzeit.

Zu diesem kommen noch die alten Monumente selbst, die oft deut-liche Spuren eines früheren Mitwirkens der vestiarischen Kunst zu ihremGesammteffekt zeigen, und unter diesen vorzüglich die Ueberreste vonPompeji und Herkulanum mit ihren Wandmalereien, welche letztere alleinschon einen ganzen Schatz von Aufschlüssen über das Draperiewesen derAlten geben. Es liegt also ein sehr reichhaltiger Stoff vor, der sichvielleicht am besten fassen lässt, wenn man drei Aufgaben, die demVestiarius des Alterthums oblagen, unterscheidet, nämlich 1) die Aus-stattung einer architektonischen Einrichtung in so weit sie diese vervoll-ständigt und zu ihrer Ergänzung unbedingt vorausgesetzt werden muss;2) den Schmuck, mit welchem der Vestiarius ein architektonisches Werk,das an sich schon vollständig ist, für besondere festliche Gelegenheitenausstattet; 3) die Einrichtung zeitweiliger und zeltartiger Anlagen.

Wer nur den Grundplan eines antiken Hauses betrachtet, überzeugtsich sehr bald, dass die jetzt fehlenden Draperieen unbedingt im Geistevestituirt werden müssen, um es für wohnliche Zwecke geeignet erschei-nen zu lassen. Diess tritt noch mehr hervor, wenn wir die Lebensweiseder Alten berücksichtigen und z. B. uns erinnern dass, bei den Römern

1 In seinem Aufsatze über die Teppiche nach Raphaels Kartons. Kl. Sehr. III.P a g- 448, Anmerkung 2.