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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

wenigstens, nach altem Brauche das Ehebett des Familienvaters in demAtrium des Hauses seinen Platz hatte und ebendaselbst die Frau, in-mitten ihrer weiblichen Dienerschaft, die häuslichen Arbeiten des Spin-nens und Webens verrichtete.

Der weite oben offene Raum, in den man von der Strasse aushineinsah, wenn die Hausthür offen stand, der zugleich das Entreezimmer,den öffentlichen Theil der Wohnung, bildete, musste unbedingt durchbesondere Vorrichtungen und temporäre bewegliche Scheidungen eineEinrichtung erhalten, die elastisch genug war, ihn für so verschiedeneZwecke geeignet zu machen, ohne zugleich die einheitliche Wirkung desganzen grossartigen Motives zu vernichten. Diese Scheidungen durftenzu dem Ende nicht die ganze Höhe des Raumes ausfüllen, damit dasEnsemble oberhalb kenntlich bleibe und vielleicht auf diese Weise, durchdie Verhüllung des Unteren, in verstärkter Wirkung hervortrete. Es istganz unstatthaft, sich das Atrium anders zu denken, als einheitlich undzugleich durch Einbauten beweglicher Art gegliedert. Diese Einbautenzeigen sich zwar in späterer Ausbildung oder vielmehr in späterer Ver-knöcherung des Gedankens als wirkliche Mauerwände, ausgeführt in Stein,doch müssen wir uns auch diese nach Art der spanischen Wände sodenken, dass der durch sie umschlossene Raum oben offen und nur durchden Plafond des Atrium gedeckt war.

Die meisten Atrien in Pompeji und selbst die auf dem kapitolini-schen Grundplane von Rom sind dieser späteren Art: nur in den soge-nannten Flügeln oder alae (ein Kunstausdruck des Vitruv, den wir viel-leicht fälschlich auf diese zurücktretenden Theile der atrialen Anlagegedeutet haben) zeigt sich die ursprüngliche, durch keinen Einbaubeschränkte, Breite der hypäthralen Anlage. Sehen wir von dieser spä-teren Verknöcherung des Gedankens ab, so erscheint uns der hohe Baudes Atrium durch bewegliche niedrige Wände gegliedert. Diese Wändewaren theils Draperieen (catapetasmata), die aufgehängt wurden undfaltenreich herabfielen, theils waren sie, nach Art der Jägernetze, aufge-stellte und durch Pfosten und bewegliche Gerüste gehaltene Teppiche(peristromata, aulaea, auch peploi). Auch die in früherer Zeit nacktenoder einfach farbigen Wände des Atrium, die eigentlichen gemauertenUmfassungswände nämlich, wurden des Komforts wegen ähnlich behängenoder umkleidet. — Dazu kommen die Portieren oder Thürvorhänge,welche in dem klassischen Alterthume sehr ausgedehnte Anwendung findenmussten, da sich in dem Innern der Häuser sehr wenige Spuren vonfrüheren eigentlichen Thürverschlüssen aus Holz oder Metall zeigen.