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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

alljährlich erneute panathenäische Peplos, das Prachtstickwerk der Athene-priesterinnen, war ein solcher Schutz, von dem man nur noch nicht rechtweiss, ob er als Mantel umgehängt oder als Katapetasma vorgespanntoder endlich als Parapetasma 1 (Himmeldecke) über der Statue ausgespanntwurde. 2 Besser unterrichtet sind wir durch Pausanias von dem Vorhänge,den der König Antiochus dem olympischen Jupiter widmete.

Er war aus purpurfarbigem phönikisehem Wollenstoffe und mitassyrischer Stickerei bedeckt, und wurde an Stricken herabgesenkt, nichtwie das Parapetasma zu Ephesos unter die Decke hinaufgezogen; wahr-scheinlich mochte diess eine Neuerung sein, welcher der ältere Gebrauchdes Hinaufziehens des Vorhanges, der noch in Ephesus üblich war, wei-chen musste. Eben so wurde nach Quintilian das ursprünglich griechischeAulaeum der Theaterbühne gegen das spätere römische Siparium, dasherabgesenkt wurde, vertauscht.

Gleich wie die Tragiker es liebten, auf die uralt geheiligte scenischeAusstattung der Tempelbezirke anzuspielen, weil das Dekorationswesender antiken Bühne aus ganz ähnlichen Einrichtungen bestand und dahereine Veranschaulichung dessen, was der Dichter seinen Personen in denMund legt, dadurch erleichtert wurde, eben so benützten die Komikerdas gleiche Motiv, wie es ihnen die häusliche Einrichtung der Athener bot. Unter vielen Anspielungen dieser Art sei hier nur die Stelle desAristophanes erwähnt, wo Jemandem, der sich nicht zu benehmen weiss,der Rath gegeben wird, die Decke sich anzuschauen und die Vorhängeder Aula zu bewundern. 3

Es versteht sich von selbst, dass derselbe Gebrauch auch bei denRömern galt, worauf eine Stelle des Properz über die prachtvollen atta-lischen Teppiche der Säulenhalle des Pompejus zu beziehen ist. 4 AuchMartial widmet den buntgewirkten Vorhängen der Gemächer, den cubi-culariis polymitis, eine Anzahl Epigramme. (Martial. XIV. 150.)

Dieser Gebrauch tritt ausserdem an den Wandmalereien Pompejis,

1 Der Unterschied zwischen parapetasma (Himmeldecke) und katapetasma (Dra-periewand), den Böttiger aufstellt, findet sich nicht überall bestätigt. So z. B. bedientsich Pausanias des Wortes parapetasma, wo er ganz bestimmt nur die Teppichwandmeint. Dessgleichen auch andere Schriftsteller.

2 Hirt, Gesell, d. Baukunst. Böttiger, kl. Schriften III. 455. II. 51. Volke),über die Statue des Jupiter S. 50 und 235.

3 Aristoph. Wespen 1215. Athen . V. 6 in fine.

4 Propert. II. 23. 46. Scilicet umbrosis sordet Pompeia columnis Porticus aulaeisnobilis Attalicis.