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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Tapezierwesen der Alten.

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was aber jene Anwendung wirklicher gewebter Stoffe als Himmeldeckenin Verbindung mit hellenischen Bauanlagen betrifft, so steht auch dieseunzweifelhaft fest, wenn es schon an ganz sicheren Gewährstellen fürdiesen Gebrauch bei den alten Schriftstellern fehlen mag. Man hat dieVermuthung aufgestellt, dass der berühmte panathenäische Peplos derAthenastatue ein solcher Uraniskos gewesen sei, der zum Schutze derGottheit unter der Tempeldecke aufgehängt wurde; eine Vermuthung,die Böttiger, 1 wie mir scheint, zu entschieden verwirft, da sich doch ausder Stelle des Ion, 2 die er bei dieser Gelegenheit citirt, ganz unfehlbarwenigstens soviel ergibt, dass Himmeldecken unter dem Namen von Peplenin dem Tempelwesen der Alten nichts Ungewöhnliches waren. (S. weiterunten.)

Das älteste Vorkommen einer monumentalen Vorrichtung zu derAufnahme von Velen sind die gigantischen isolirt stehenden Säulen,welche eine Gasse bildend den grossen Vorhof des Tempels zu Karnak in Theben in der Mitte durchschnitten und von denen noch einige auf-recht stehen. Ihre Bestimmung ergibt sich aus den Wandmalereien dieses948 Jahre vor unserer Zeitrechnung gebauten Tempelvorhofs, woraufganz ähnliche Säulen mit einem Aufsatze abgebildet sind und ihre Be-stimmung, ein prachtvolles Himmeldach aus Stoffen zu stützen, verrathen.Wir werden auf dieselben zurückkommen und zeigen, welche Bedeutungsie in der Stilgeschichte ägyptischer Baukunst einnehmen.

Die Parapetasmen der römischen Atrien und Peristile bestanden ausden reichsten Stoffen, oft aus Purpur, waren wie jenes im Ion geschil-derte mit Himmelszeichen, dem Sonnengotte, der Eos, der Iris undanderen den Uranos 3 bezeichnenden Bildern bestickt oder wenigstens mitSternen übersäet, und wurden in malerischer Drappirung und mit reich-stem Faltenwürfe über den Säulen durch seidene oder goldene voll-bequastete Schnüre befestigt. Dieses ergibt sich deutlich aus vielen derschönsten Wandgemälde aus römischer Zeit.

Die Parapetasmen der Atrien werden von Vitruv interpensiva genannt,denn so muss der Ausdruck verstanden werden, wenn er im dritten Ka-pitel des sechsten Buchs den Nutzen der Stützsäulen der Atrien hervor-hebt, die gestatten, die Unterzüge leichter zu halten, da sie die Last deraufgehängten Decken nicht zu tragen hätten.

1 Kleine Schriften III. 455.

2 Euripid. Jon. v. 1157. tiqcötov fiev öpöcpra nrsgvya negi■ßd'k'ksi ■nsn’kcov.

3 Artaxerxes schenkte dem Timagoras unter anderen Gegenständen „ein bunt-gesticktes Himmelzelt“, (axrjvijv ovgavögocpov ßvffivr/v.) Heraclides in Athen II. 31.