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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Der Ausdruck „interpensiva“ diente auch in spätrömischer Zeit zureigentlichsten Bezeichnung derjenigen Velen und Decken, die zur Be-schattung der Strassen und Passagen aufgehängt wurden. Dieser Ge-brauch, der in dem luxuriösen theodosischen Zeitalter auf asiatische Weiseallgemein wurde, war auch schon in früher Zeit bei den Griechenbekannt, obschon er als Zeichen des verweichlichten Luxus galt. Soberichtet Timäus von den Sybariten, dass sie die Wege, die zu ihrenVillen führten, bedeckten. Vielleicht waren diese Lauben der Sybariten,nach Art der persischen Strassen, durch konstruirte Decken (Sdol y.ard -arsyoi) beschattet . 1

Ueber das Velarium und das Draperiewesen der Theater im All-gemeinen wird Ausführlicheres in einem späteren Abschnitte des Buchesfolgen.

In dritter Anwendung als Fussdecke scheint der Teppich bei denGriechen sehr früh durch Estrichfussböden, buntes Marmorgetäfel undMosaik verdrängt worden zu sein. Selbst im Homer werden die tapetianur erwähnt in Verbindung mit Lagern oder Bett Vorrichtungen, sie warenvon geringem Maasse und wurden, wie noch jetzt im Orient üblich ist,nur für bestimmte Zwecke ausgebreitet, aber nach aufgehobener Lagerungoder Sitzung wieder aufgerollt.

Aehnlich war es bei den Aegyptern, wie die Malereien beweisen.Man bediente sich schon im höchsten Alterthume der noch jetzt derKühle wegen gesuchten aus Palmblattrippen zusammengefügten niedrigenEstraden, worauf dann bunte Leinwandteppiche oder Baumwollenzeugeausgebreitet wurden . 2

Anders bei den alten Völkern des Orients; sie trieben grossenLuxus mit festen Teppichen, die den Boden bedeckten. Diess erhelltaus darüber erhaltenen Nachrichten und ersieht man deutlich aus derEinrichtung der Palastfussböden, die einfach getäfelt oder zum Theil ganzaller Bekleidung baar sich zeigen, während die Wände in äusserster Prachtglänzen. Nur wo die Teppiche nicht gelegt werden konnten, z. B. zwi-schen den Thürpfosten, sieht man theils reich gemusterte Steingetäfel,theils sogar Bronzefussböden mit eingelegter Silberarbeit u. dergl.

In der Halle der Melophoren des Palastes zu Susa lag ein glattersardianischer Teppich, worauf der König allein ging, wenn er mit seinem

1 Timaeus in Athenaeo. XII. 17. (c. 3. pag. 519. ed. Cas.) Coste & FlandinVoyage en Perse.

2 Wilkinson, manners and customs etc.