274
Viertes Hauptstück.
der seiner Marotte getreu hier durchaus nur Holzgemälde zulässt, weilsie tabulae 1 genannt werden, es entspricht aber der Natur der Sache unddem Umstande, dass die Gemälde mit wirklichen gestickten Teppichenauf eine Weise in Verbindung treten, wodurch beide gewissermassen miteinander identificirt werden, und warum sollten Theile der Pegmata,nämlich mit Leinwand bespannte Rahmen, nicht gleichfalls tabulae undseihst griechisch Pinakes 2 genannt worden sein, da diese Ausdrücke, inihrer späteren uneigentlichen Anwendung wenigstens, nur den formellenBegriff einer Fläche, die zur Aufnahme von Malereien oder Skulpturengeeignet ist, wiedergeben, das Stoffliche gar nicht mehr berühren. Sosind die Worte Schilderei, Tafel, toile, quadre, fraim, fablet u. s. w. inden modernen Sprachen Abstraktionen, bei denen sogar an das Räumlichegar nicht mehr gedacht wird, sondern nur an das dargestellte Bild, dieMalerei auf der umrahmten Fläche. Nichts desto weniger liegt der Be-griff Täfelung überall, wo bei alten Schriftstellern nicht bloss die Wortetabula, pinax, abacus crusta u. dergl. ähnliche, sondern auch die allge-meineren kunsttechnischen Ausdrücke pictura, graphe u. dergl. Vorkom-men, immer sehr nahe und ist er weit mehr, als diess in der modernenFlächendekoration der Fall ist, mit dem ästhetischen Begriffe des Gemäldesvorwachsen, insofern nämlich die antike Malerei als Theil der Wand-dekoration, dem Stile nach, stets Tafelmalerei war und blieb. Sie wares schon als gestickte Draperie, da die Stickerei mehr als jede andereTechnik der Flächendekoration von der Umrahmung abhängt und ohneletztere gar nichts Gewebtes als Fläche sich entwickeln kann, da ihr derWebstuhl und der Stickrahmen noch ausserdem ganz bestimmte undzwar sehr beschränkte räumliche Grenzen stellen. In Betracht dieserräumlichen Grenzen der Hyphantik (textilen Kunst) wenden auch wirauf sie noch häufig genug ähnliche Worte an, z. B. Bahn, Stück u. dergl.
Wie oft die Malerei die gestickten Muster und Darstellungen auf
1 Joseph. B. J. VII. 5. Vergl. auch die Beschreibung des Triumphes desAemilius Paulus im Plutarch . Aem. Paulus cap. 32 ff. und Livius B. 45, c. 40. Fernerüber den Triumph des Pompejus Plutarch im Leben des Pompejus 45, und Appian .Mithridat §. 117, Plin. XXXIII. 12. 54. Bulenger de Triumphis. R. Rochettepag. 298 ff.
2 Wenn nicht von geraubten Kunstwerken die Rede ist, die in späterer Zeitbei Gelegenheiten wie die im Texte erwähnten zur Schau gestellt und herumgetragenwurden, wird das griechische Wort nLvafc nirgend gefunden, ein Umstand, der sehrfür die Annahme spricht, dass die eigentlichen älteren Dekorationsmalereien, die beiAusschmückung der Triumphe in Anwendung kamen, auf Leinwand gemalt waren.