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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstflck.

mehr das aus Olivenblättern bestehende laufende Ornament zog sichdann über der Decke auf dem scharfen Rücken des durch sie gebildetenDaches fort, ähnlich den Krönungen der Tempeldächer und mit Hinblickauf letztere. Die mit Edelsteinen ausgelegten oder vielleicht emaillirtenSchuppen der gebogenen Decke sind nicht äusserlich, sondern innerlich,d. h. an der untern Ansicht der Decke angebracht gewesen, denn sonsthätte sie der obere Mantel versteckt.

Was die Kapsel des Sarges angeht, so können wir uns durch dieägyptischen Sargbekleidungen aus gemaltem Holze, wie sie in ptolemäi-scher Zeit in Gebrauch kamen, deren mehrere in dem britischen Museumzu London aufgestellt sind, eine deutliche Vorstellung von ihr machen.Ein ähnliches Kalypter, das den Sarg umgab und mit Malereien verziertist, hat man in- einem Grabmale zu Panticapea gefunden . 1 Wir sehendieselbe Sitte noch durch das ganze Mittelalter herrschend und erkennen inden monumentalen Katafalken, in welchen die Reliquiensärge niedergelegtsind, die genaue Wiederholung einer uralten Form des Bestattens. Oftsind die mittelalterlichen Kalypter oder Sargkapseln von getriebenemSilber, wie z. B. an dem berühmten Sebaldusmonumente zu Nürnberg .In verkleinertem Massstabe, reich mit Edelsteinen besetzt und emaillirt,wird dieselbe Form als Reliquienbehälter typisch. Ein sehr schönes undgrosses Reliquiarium mit Sargbehälter, aus Holz geschnitzt im gothisclienStile, erinnere ich mich in einer Kapelle der Zwickauer Marienkirchegesehen zu haben. Andere ähnliche befinden sich in dem mittelalterlichenMuseum des grossen Gartens zu Dresden . 2

Die vier Gemälde, die als Wände dienten (laovg röig roiyoig), müs-sen um das Ganze des Katafalks herumgelaufen sein; ich denke sie mirals einen Peribolus, der den eigentlichen Säulenbau so umfasste, dassdieser mit seinem durchsichtigen Gitterwerke und der von Löwen gehütetenThüröffnung sich über ihn erhob.

Es wäre gewiss nicht ohne grosses stilhistorisches Interesse, dieGewohnheit des festlichen Bekleidens der Monumente bei kirchlichensowie profanen Pompen und Celebrationen nebst damit verbundenen Auf-führens temporärer Bauwerke durch das Mittelalter bis zur Gegenwartzu verfolgen, ihren Zusammenhang mit der alten Ueberlieferung nach-zuweisen, wenn dieses Thema nicht zu weit führte.

1 Beschrieben im Journal des Savants 1835, Juin pag. 338—39.

2 Gaillhabaud in seiner neuesten Sammlung gibt die interessante Darstellungeiner „Chapelle ardente“ zu Nonnenburg bei Salzburg .