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Viertes Hauptstück.
§■ 69 .
Anknüpfung an §. 67 und Fortsetzung über Chaldäa und Assyrien .
So wie die Kultur des Nilthaies von den Niederungen des Deltaausging, in gleicher Weise ward das Thal der beiden Zwillingsströme,des Euphrat und Tigris, von den Alluvialehenen Chaldäas aus der Kulturerobert: die ältesten Mythen, sogar geschichtliche Traditionen und vorAllem die Physiologie der Menschheit, d. h. der Gesellschaft als organi-sches Individuum betrachtet, vereinigen sich, dieser Hypothese einenhohen Grad der Wahrscheinlichkeit zu verleihen, ohne jedoch der anderendavon durchaus verschiedenen das Wort zu sprechen, wonach der ersteKeim dieses Gesellschaftsorganismus ein übers Meer getragener, ausIndien oder Aethiopien eingeführter gewesen sein soll ; 1 vielmehr lässtsich die Hypothese eines Ursitzes der Civilisation und eines ihm ange-hörigen Baustiles für keinen andern Fleck der alten Welt wahrschein-licher an als für das südliche Euphratthal, wohin auch die Sagen derVölker die Gründung der ersten Staaten unter den nachsündfluthlichenMenschen versetzten.
Dem Reisenden, der jene verwilderten, zum Tlieil schon seit vor-geschichtlicher Zeit den Elementen und feindseligen Nomadenstämmenzurückverfallenen, Landstriche zu betreten wagt, begegnen fast auf jedemSchritte die Spuren einer längst verlassenen Kultur. Bald sind es dietrockenen, fast gänzlich ausgefüllten Kanäle und sonstigen Wasserbau-werke, bald regelmässig umwallte Plätze, die letzten Spuren von Städten,deren Namen die Geschichte nicht mehr nennt, bald, und meistens inVerbindung mit diesen, grossartige Terrassenanlagen, die in ihrer jetzigenGestalt von natürlichen Hügeln nicht zu unterscheiden sind, aber beinäherer Untersuchung sich als Konstruktionen aus theils gebrannten,tlieils ungebrannten Ziegeln bekunden.
Was uns die neuesten Reisenden über jene verwitterten Ueberresteältester Baukunst geben, ist nicht geeignet, uns über dieselbe in ihremZusammenhänge zu belehren, obschon wir Analoges zu erkennen glaubenmit dem, was die uns jetzt schon etwas besser bekannten Monumentevon Ninive bieten. Doch haben wir uns hier noch nicht mit der Zu-sammenstellung eines architektonischen Gesammtbildes zu beschäftigen,sondern in den vorhandenen Bauüberresten das Vorherrschen des Prinzips