Textile Kunst. Tapezierwesen der Alten.
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hohen gewölbten Pfeilerhallen und Kirchen dieses Stiles der Fall ist.Die Bekleidung der nackten an sich schmucklosen Wände durch Tep-piche, die ihr eigenes Gerüst haben und von der Wand abstehen, istvom frühesten Mittelalter bis in’s XVII. und XVIII. Jahrhundert hineinallgemein gebräuchlich geblieben. Sie bilden einen sehr wichtigen Ap-paratus für die dramatische Kunst und die Novellistik jener Zeiten. Hinterihnen belauscht man Geheimnisse, mancher Verrath lauert mit blutgierigemStahle hinter der bunten Decke, mancher verstohlene Besuch findetzwischen ihr und der Mauer seinen Schlupfwinkel und seinen Ausweg.Die Stoffe zu diesen Wandumstellungen waren von ältester Zeit ein wich-tiger Handelsartikel des Orients, ihre Muster und ihre Farbenprachtwirkten auf höchst bedeutsame Weise auf den Stil der Kunst des frühenMittelalters ein, so dass durch sie die Architektur ganz auf denselbenAusgangspunkt neuer Entwicklung zurückgeführt wurde, von dem sieschon einmal im Altertliume ihre Laufbahn begann.
Mit dem gotliischen Stile und der Reformation der Klosterregelnwurde die Wandbekleidung gemach metamorphosirt; die Holztäfelung,das durchbrochene Stabwerk (die Schreine) treten an die Stelle derTeppichwände und Draperien, ohne diese jedoch in dem Civilbaue jemalsganz zu verdrängen. Das Weitere darüber unter „Zimmerei“ und imzweiten Theile unter „gothischer Stil“.
Durch diesen Exkurs über das Draperiewesen und die Künste desDekorateurs bei den Alten gedachte ich den Leser gleichsam unvermerktdahinzuführen, dass ihm der antike Baustil gar nicht mehr anders ver-ständlich sei und existenzfähig erscheine, als in Verbindung mit diesemBeiwerke und durch dasselbe, dass ihm schon jetzt von der antiken Bau-kunst ein farbig belebtes Bild vorschwebe, welches vielleicht miteinigen alten Vorstellungen, die er in sich aufgenommen hatte, streitet,und er den Zusammenhang der antiken polychromen Ornamentik mitdem besprochenen Prinzipe des Bekleidens bereits errathe. Jedoch wardabei mein nächster Zweck nur dem Leser durch das Vorausgeschicktegewisse Erscheinungen der Frühgeschichte monumentaler Kunst leichtererklärlich zu machen.