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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Assyrien .

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in Anwendung kam, sind wir sehr dürftig unterrichtet, obschon derartigausgestattete Wände sich in bedeutender Menge vorgefunden haben.Zwei Blätter in der ersten Serie der von Layard herausgegebenen Mo-numents of Niniveh Nro. 86 und 87 geben nur eine schwache Idee vonder Eleganz und der harmonischen Polychromie, welche die betünchtenWände jener assyrischen Königsburgen belebten. Sie sind theils aus demältesten Nordwestpalaste, der bereits gegen Ende des XII. Jahrhundertsgegründet und im Laufe des X. von einem andern Könige vollendet seinsoll, theils aus einem erhöhten Pavillon, der sich südlich von diesem Palastebefand.

Ein sehr ausgesprochener Unterschied der Stile der beiden Periodenassyrischer Wanddekoration, denen sie angehören, gibt sich an ihnenkund, und wenn es gestattet wäre, auf so vereinzelte Bruchstücke ohneZusammenhang irgend eine Ansicht zu gründen, so hätte im älteren Stileder dunkle Grund (und zwar der blaue) vorgeherrscht, während nachherdas hellgründige (Weisse und Gelbe) beliebt ward. 1 Vielleicht kamdieser Geschmack aus Aegypten , dessen damaliges Einwirken auf assy-rische Verhältnisse sich auch sonst bekundet, und wo die helle Poly-chromie stets volksthümlich blieb. Auch der Stil der Zeichnung und dieornamentalen Motive sind verschieden. In beiden erkennt man den vor-herrschenden Einfluss der Textrin; es sind gestickte Ornamente, diewir gemalt vor uns sehen; aber im älteren Stile herrscht das Guilloche,jenes symbolische Zopfgeflecht, und das Anthemienband und zwar dieursprünglichere assyrische Bildung dieses durch alle Jahrtausende tradi-tionell gebliebenen Pflanzenornaments, das mit seinen Pinienzapfen, Tulpenund sonstigen, aus dem heiligen Baume entwickelten Motiven nochmystisch tendenziösen Sinn hatte, den es bei den Griechen verlor, diedafür das vollendet Formenschöne daraus entwickelten.

Dagegen ist der spätere Stil zwar auch, wie jener ältere, Stickerei-stil, aber in handgreiflicher Auffassung; man sieht Rosetten, Quasten,Nähte und Schnallen, Garnituren und dergl.

Dazu tritt schon die Benützung konstruktiv-architektonischer Detail-formen, wie z. B. der Mauerzinnen, zu ornamentalen und dekorativenMotiven.

Obschon die hellgrundige, zuletzt bezeichnete, Wandmalerei ent-schieden jünger ist, als jenes Zopfgeflecht und Rankengewinde an den

1 In beiden Stilen kommen übrigens ausser dem Weiss und dem Schwarz nurdie drei Grundfarben, das Gelb, das Roth und das Blau ohne Nüancirung vor.