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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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329
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Textile Kunst. Assyrien . 309

und Schönheit angebracht sind und meistens die Formen und Linienerbarmungslos durchschneiden.

So viel über das Gegenständliche und die Anordnung dieser Terra-kottabilder, soweit ich mir darüber aus den unzusammenhängenden undsehr verstümmelten Bruchstücken im Louvre und im Britischen Museum,die ich prüfte, ein Urtheil zu verschaffen vermochte. 1

In Rücksicht auf die artistische Behandlung des Dargestelltenzeigt sich ein sehr markirter Unterschied zwischen dem Stile der Malereiauf Thon und dem Stile der Skulptur auf Stein. Auch weicht erstem -bedeutend ab von demjenigen der Malerei auf Stucco . Die Konturender Figuren und Ornamente sind nicht schwarz oder roth, wie auf denStuckmalereien, sondern weiss auf einem apfelgrünen Gründe, der viel-leicht verblichen ist, jedoch so wie er jetzt erscheint mit den anderenTönen in vollkommener Harmonie steht, die alle äusserst blond und mildgehalten sind. Die Formen innerhalb der weissen Umrisse sind mitflachen Tönen ausgefüllt, bestehend aus Neapelgelb, einem zarten luftigenBlau, Braun und Weiss. Das Grün des Grundes ist charakteristisch fürdie assyrische Malerei und wahrscheinlich das Prasinum der Alten, dasals Gegensatz des Caeruleum eine symbolische Bedeutung hatte und unterden Farben des Circus hervorragte. Die Zeichnung dieser Glasurenweicht zu ihrem Vortheile von derjenigen ab, die wir an den an gleicherStelle gefundenen Skulpturen bemerken; eine gewisse Magerkeit und kon-ventionelle Eleganz der Umrisse erinnern an Aegyptisches; es fehlen jeneübertriebenen Muskelandeutungen und gedrungenen Formen, die an denassyrischen Skulpturen so charakteristisch sind.

Diese Unterschiede, deren Erklärung aus rein technischen Ursachenschwierig sein dürfte, sind immerhin interessant genug, um unsere Auf-merksamkeit zu verdienen.

Die technische Behandlung der erwähnten Ziegelmalereien istendlich wohl dasjenige, was sie für die allgemeine Stilgeschichte ambemerkenswerthesten macht.

1 Die Stile sind in Rücksicht auf das Dargestellte je nach den Altern der Mo-numente verschieden. In dem Nordwestpalaste (dem ältesten) zu Nimrud fand Layard nur Ziegel mit rein ornamentaler Malerei; dagegen sind diejenigen, welche derselbeReisende in den untersten Fundamenten einer Ruine ausserhalb der grossen Terrassezu Nimrud fand und die augenscheinlich einem viel älteren Raue angehört hatten, ehesie zu dem neueren benützt wurden, mit historischen Darstellungen, denen auf denAlabasterskulpturen ähnlich, bedeckt; zwischendurch aber zogen sich ornamentale Mo-tive. Dieselbe Verbindung des Ornaments mit der historischen Darstellung zeigt sichan den Ziegeln aus Chorsabad und Kudjundshik.