330
Viertes Hauptstück.
Man erkennt an den im Louvre befindlichen emaillirten Ziegeln ausChorsabad und Babylon, die ich genauer prüfen konnte, folgende Eigen-thümlichkeiten:
Sie sind aus ziemlich unreinem Lehm geformt und bei sehr schwa-chem Feuer nur oberflächlich gebrannt, so dass die Gluth nur höchstenseinen halben Zoll tief, von der glasirten oder gemalten Oberflächegerechnet, einwärts gedrungen, der eingemauerte Theil des Ziegels da-gegen roh und vom Feuer unberührt geblieben ist.
Dazu kommt zweitens, dass, mit Ausnahme einiger friesartigerInschriften und Bandverzierungen, alle die Oberfläche bedeckenden Ma-lereien in gar keiner Beziehung zu den Fugen der Ziegel stehen, dassvielmehr die Sujets auf die bereits zusammengefügte Wand ganz freiund ohne Rücksicht auf den Schnitt der Fugen aufgetragen wurden.Selbst bei den Friesen und Bandverzierungen ist da, wo ihre Grenzennach oben und unten mit den Fugen Zusammentreffen, was keineswegsüberall der Fall ist, wenigstens auf die vertikalen Fugen keine Rücksichtgenommen worden, so dass z. B. Rosetten, Palmetten und dergleichenMotive bald in die Mitte, bald in die Fugen der Ziegel treffen, oder wiesonst der Zufall es mit sich bringt.
Auch muss drittens als Eigenthümlichkeit hervorgehoben werden,dass nur diejenige Seite des Ziegels, die den Theil der Wandfläche bildet,Farbenspuren trägt, mit Ausnahme einiger Stellen, wo während der Be-malung jener einen Seite die Farbe über deren Rand hinaus lief undlängs der benachbarten Seitenflächen des Ziegels herabfloss.
Diese Ziegelbekleidungen konnten also nicht in musivischer Arbeitbestehen, wie jene anderen, die man zu Wurka fand, sondern die Ziegelwurden hier mit Malerei investirt, wie sie schon Mauerfläche bildetenoder doch zu einer Ebene zusammengefügt waren. Es erhellt aber zu-gleich aus dem zuletzt angeführten Umstande des Herabfliessens der Farbean den Wänden der Ziegel, welche die sichtbare Seite senkrecht treffen,dass die zusammengefügte Ebene eine Horizontale bildete, wie sie bemaltwurde, und dass die Fugen während der Malerei nicht mit irgend einemKitt verbunden waren.
Das Räthselhafteste ist nun die Art des Brennens, die dabei Stattfand. Meiner Ueberzeugung nach musste man die auf ebenem Bodengeordneten und nummerirten 1 ungebrannten Ziegel, nachdem sie als gemein-
1 Die zu Nimrud gefundenen emaillirten Ziegel waren alle auf der hintern Seitegezeichnet und nummerirt, welchen Umstand Layard sich nicht erklären konnte. Durchdie im Texte ausgesprochene Hypothese ist er vollständig motivirt.