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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Assyrien .

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schaftliche Bildfläche gemalt worden waren, auseinander genommen undin gleicher Ordnung wieder zur Bekleidung der Lehmmauern vertikalzusammengefügt haben. Als hierauf die Wand, nämlich die ganze innereoder äussere Bekleidung eines Raumabschlusses, aufgeführt war, mussteman ihr eine Gluth nahe bringen, die hinreichto, die sehr leichtflüssigeGlasurfarbe in Schmelz zu verwandeln und zugleich der Wand aus Lehm-ziegeln eine dünne Terrakottakruste zu geben. Es fand eine Enkausisim eigentlichsten und vielleicht ältesten technischen Sinne dieses Ausdrucksstatt und die wasserglasähnliche, leichtflüssige Kieselverbindung, womitman malte, war in der That selbst nach ihren chemischen Eigenschaftendem in der späteren Enkausis angewandten Wachse ein äusserst naheverwandter Stoff. 1 Das Wachsemail wurde wahrscheinlich erst erfundenund benützt für Stoffe, die starkes Feuer nicht vertrugen, für Elfenbein,Marmor und dergl., und bedurfte für das leicht verbrennliche Holz nocheiner ganz besonderen Herstellungsweise, bei der das Wachs vorhergeschmolzen und flüssig gemacht, oder auch in flüchtigen Oelen aufgelöst,als Bindemittel der Farben und Ueberzug mit dem Pinsel aufgetragenward. Vielleicht war die allerälteste Enkausis die des Erdpeches undward man erst von dieser auf das Emailliren der Ziegel geführt.

Obige Hypothese über das Glasiren ganzer, bereits mit Malereiüberzogener Luftziegelwände und dadurch erreichtes oberflächliches Er-härten der Thonmasse durch Feuer hatte ich in meiner kleinen Schrift„die vier Elemente der Baukunst“ sowie in verschiedenen in englischerSprache erschienenen Aufsätzen bereits vor mehreren Jahren ausgesprochen.Nicht wenig war ich später überrascht, sie durch babylonische Urkunden,deren Entdeckung und Mittheilung wir dem um die Erforschung derorientalischen Alterthümer und die Entzifferung der Keilschrift höchstverdienten Col. Rawlinson verdanken, bestätigt zu finden. In einem zuBombay vor der asiatischen Gesellschaft gehaltenen Vortrage berichtetnämlich dieser ausgezeichnete Forscher über den Inhalt von Keilinschriftenauf Thoncylindern, die er an genau vorher bestimmter Stelle in den Trüm-mern des Birs Nimrud bei Babylon eingemauert fand. Nach diesenhatte Merodacha Danakhi, der Besieger Tiglath Pilesers des Ersten, imJahre 1120 v. Chr. hier einen Tempel der sieben Sphären erbaut, denNebukadnezar im Jahre 580 erneuerte. Der Tempel hatte sieben Stock-werke übereinander, jedes mit einer Planetenfarbe: nämlich Schwarz,

1 Vergl. Döbereiners Aufsätze über das Wasserglas in verschiedenen Zeitschriften,unter andern in der Gartenlaube.