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Die hellenische Kunst dagegen spaltet diesen Doppelsinn und weisetjeder Hälfte die ihr gebührende Stelle an. Sie fasst die ornamentalenSymbole vorzugsweise in struktiv-funktionellem Sinne, mit möglichstgemilderter und leisester Anspielung auf tendenziöse Bedeutung, die ihnennoch bleibt; der höheren Kunst weist sie ihre neutralen Felder an, wosie, von der Struktur und dem nächsten materiellen Dienste des Systemesunabhängig, sich frei entfaltet.
Der kräftige aber unfreie und niedere Willensausdruck, den jeneassyrischen Fabelbestien zeigen, macht, wie gesagt, sie besonders dazugeeignet, gewissen zwecklichen Ideen, die ein Künstler seinem Werkebeilegt, zum Ausdrucke zu dienen. Das todte Geräth wird durch dieAnwendung dieser Thierformen zu einer Art von Person erhoben undindividualisirt. Wie das Pflanzenornament die Struktur zu einem Or-ganismus umschafft, so erhebt das animalische Ornament den todtenHausrath gleichsam zu einem freiwillig oder unwillig dienenden Haus-thiere! Das Möbel wird dadurch, dass ich ihm Füsse in Gestalt vonLöwentatzen oder Rehläufen gebe, als ein Gegenstand bezeichnet, dernach meinem Willen sich fortbewegt oder doch bewegbar ist. Den Gradder Bewegbarkeit, den ich ihm beilegen will, symbolisch zu nüanciren,habe ich in meiner Hand! Die Fähigkeit des Stützens und das Auf-rechte eines Ständers erhält einen lebendigen Ausdruck dadurch, dassich ihm diejenigen Formen leihe, die in der animalischen Welt Aebn-liches verrichten. — Das Bein stützt, der Kopf hält sich oben, somitbrauche ich nur diese beiden Symbole, um das, worauf es ankommt,treffend und kurz zu bezeichnen. So auch dient der Rücken mancherHausthiere zum Tragen; es liegt daher nahe, den tragenden Gliedern,nämlich den horizontalen Balken über den vertikalen Ständern, zumBeispiel eines Sessels, die entfernte Aehnlichkeit eines Thierrückens zugeben.
Dass man hierbei gewisse Schranken des guten Geschmacks zubeobachten habe, leicht zu weit gehen könne, beweisen die naturalistischaufgefassten und doch steifen thiergeformten Sessel und Lagerbetten derAegypter. Auch die Assyrier waren in dieser Beziehung weit entferntvon griechischer Geschmackshöhe, durch barockes unorganisches Verbindenheterogener Bestandtheile animalischer Formen, was die nüchternenAegypter vermieden, sündigten sie gegen die formellen Schönheitsregeln;ihre Formen und Gebilde sind schwerfällig, mehr schreckhaft als schön,und zeugen von geringem Fortschritte in der höheren Kunst; dennochkonnte griechische Kunstblüthe wohl aus ähnlichem phantastischen Ge-