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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

statisch dienend. Sie sind Uebergangsfiguren zu den Karyatiden, siestützen mit den Händen die Querpfosten, die Zwischenbalken und dieArmlehnen. Sie erinnern lebhaft an jene Teppichhalter, von denen obendie Rede war, und mögen auch aus demselben Motive hervorgegangensein. (Siehe Holzschnitt Seite 255.) Hierauf beschränkt sich aber beiden Assyriern die struktiv-symbolische Benützung menschlicher Formenin der Kunst; es lässt sich meines Wissens keine ächte Säulenstütze inmenschlicher Gestalt, auch nichts dei'artiges wie die gefesselten Sklavenan den ägyptischen Möbeln, unter den assyrischen Sachen nachweisen.Auch die Kolosse an den Eingängen der Palasträume haben mit dergriechischen Säulenfigur nichts gemein, sie stehen ausser Verbindung mitder Konstruktion, wenigstens der Idee nach.

Alles diess nun, Ornament und Struktur, sowie das reine Bildwerk,wo es hervortritt, entspricht in dem Stile, der sich daran zu erkennengibt, durchweg der Procedur des Bekleidens hölzerner Kerne mit Metall-platten. Diese Technik beherrscht vollständig das gesammte Geräthe-wesen der Assyrier, und sie entwickelt sich daran in höchst bemerkens-werther Weise, sozusagen von Innen nach Aussen, das heisst, was früherden Halt der Struktur gab und dem das metallene Kleid wenig mehrals Schmuck war, der hölzerne Kern nämlich, überträgt seine Funk-tionen an die umgebende Schale und verschwindet; letztere vereinigt insich beides, das struktive und das formale Moment! So werden„Strukturschema“ und „Kunstschema“ 1 identificirt und derorganische Gedanke, der in Hellas seine ideale Anwendung inder Baukunst erhält, ist hier schon in realer Weise ausge-sprochen. Alles ist fertig, es fehlt nichts als der belebende Prometheus-funken !

Ich würde nicht so lange bei der Kunst und speziell bei demGeräthewesen der Assyrier verweilt sein, wäre nicht der genaueste Zu-sammenhang des letzteren mit der Säulenordnung, wie sie sich bei diesemVolke entwickelte, erwiesen, und wäre ich nicht überhaupt von derWichtigkeit der Aufschlüsse, die uns die jetzt erst entdeckten Alter-thümer Mesopotamiens in Beziehung auf allgemeine Stiltheorie gewähren,überzeugt.

Die Existenz der Säulen, ja vollständig durchgebildeter Säulen-

1 Der Unterschied zwischen meiner Anschauung der griechischen Tektonikund derjenigen, die Prof. Bötticher in seinen Hellenicis erkennen lässt, ist hier ausge-sprochen. Ich werde Gelegenheit haben, das hier Angedeutete zu motiviren.