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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

Palast des Königes Mausolus in Halikarnassus Erwähnung, dessen Ornatusin prokonnesiscliem Marmor ausgeführt war, dessen Mauern aber aus(ungebrannten) Ziegeln bestanden, die auf eine Weise abgeputzt waren,dass sie die Durchsichtigkeit des Glases zu haben schienen. Man istgenöthigt anzunehmen, dieser Putz sei eine Glasur gewesen. Auf durch-sichtigen Putz deutet auch die bekannte Nachricht des Plinius über denkyzikenischen Tempel, die er unter anderen Mirahilien der Baukunstmittheilt: Der Künstler habe im Innern dieses Baues, der einen elfen-beinernen Zeus und einen marmornen Apollon, den ersteren bekränzt,enthalten sollte, zwischen alle Fugen der geputzten (mit Stuck über-zogenen) Quadermauer , 1 goldene Fäden gelegt. So scheinen die haar-feinen Goldfäden durch die Wandmalerei hindurch und umsrehen die

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Statuen mit einem zarten Nimbus. Ausser der sinnreichen Idee desKünstlers wird bei diesem Werke vornehmlich der Reichthum des Stoffes,obschon er versteckt ist, bewundert . 2

Was in dieser Nachricht vor den assyrischen Entdeckungen unver-ständlich war, das erklärt sich heutzutage, da wir die glasirten Ziegel-wände der ninivitischen Paläste und Tempel kennen, ohne Schwierigkeit.

Eine so reiche und allgemeine Wandpolychromie musste eine ent-sprechende Polychromie der struktiven Theile nothwendig begleiten, —und auch dieses bestätigen die unzweideutigsten Spuren an den monu-mentalen Ueberresten, von denen zuerst nur die mit Stuck bekleidetensteinernen, nicht marmornen, zu betrachten sind.

Das plastische Ornament der struktiven Theile ward schon in derFrühzeit der Periode, die uns hier beschäftigt, verlassen, das Gliederwerkzeigt sich vergleichsweise wie auf der Töpferscheibe gedreht oder ansThon gezogen und auf den glatten Profilen sind die Ergänzungsformengemalt. Gleichzeitig sind die Massen der konstruktiven Theile durch-gängig gefärbt. —

Ich nenne zuerst den sehr alten Tempel von Korinth , dessen Säulen

1 Politi lapidis. — Lapis ist in der technischen Sprache immer der PTausteinim Gegensatz zum Marmor.

2 Die Stelle steht Plin. n. h. XXXVI, 15 (ed. Delechamp). Durat et. Gyzicidelubrum in quo filum aureum commissuris Omnibus politi lapidis subjecit artifexeburneum Jovem dicaturus intus, coronante eum Apolline. Tralucent ergo picturae(so heisst es in einigen Handschriften statt juncturae) tenuissimis capillamentis, leniqueafflatu simulacra refovente praeter ingenium artiflcis ipsa. materia quamvis occulta inpretio operis habetur. — Ueber meine Uebersetzuug dieser Stelle und deren Recht-fertigung siehe im Texte weiter unten.