Textile Kunst. Verdrängung der Wandmalerei durch die Tafelmalerei. 439
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Verdrängung der Wandmalerei durch die Tafelmalerei.
Also weit entfernt, dass mit der dritten Periode der griechischenKunst und dem Marmor als hauptsächlichstem Bildstoff die Farblosigkeitin der Baukunst und in der Skulptur eintrat, war vielmehr das Gegen-theil der Fall: die ernste konventionelle Oligochromie wurde nun erstblühende P o 1 y ehromie. 1
Zu dieser Zeit auch verdrängte die Staffeleimalerei immer mehrdas eigentliche Wandgemälde und ging ihren abgesonderten von derArchitektur unabhängigen Weg zu höchster technischer Vollendung, zuder Darstellung der Leidenschaft und Gemüthswelt, zu treuer Natur-schilderung. Die Namen der grössten Künstler schmücken diesen Zeit-raum der Kunstgeschichte — aber auch nur ihre Namen und einigeungenügende Daten über ihre Werke, gleichsam nur Register der-selben, denn nichts von letzteren hat sich erhalten. Einige der voll-endetsten und gepriesensten Werke dieser Meister waren ausgeführt inder neu erfundenen oder vielmehr von Aegypten und Asien entlehntenenkaustischen Manier, von der wir noch immer nicht wissen, was sieeigentlich war, doch die Mehrzahl war a tempera gemalt und mit einemdie Farben dauernd befestigenden Firnisse oder Wachsüberzuge (causis)fixirt. 2 Diese Tafelbilder wurden zum Theil als Weihgeschenke in denTempeln aufgestellt, theils und zwar am häufigsten wurden sie als Em-bleme in architektonisch-dekorativer Anordnung den Wänden der Cellaeinverleibt 3 (drj/io^siv, iyxpoheiv, s/ißaXXsiv, inserere, includere); auch wohlzwischen den Säulen an den Brustwänden (Diaphragmen, Erymata) alsSäulenbilder (Stylopinakia) befestigt. Diese Malerschule (in der Thatin der eigentlichen Kunst des Malens die höchste) hat Plinius gemeint,wenn er sagt, es gebe keinen berühmten Namen unter den Künstlern alsderer, die Tafelbilder malten; — es ist nicht möglich, dem klaren Wort-sinne dieser Erklärung des Römers eine andere der Wandmalerei gün-stigere Deutung zu geben, wie es Letronne vergeblich versucht hat. Abereben so wenig wird Raoul Rochette , mit allem Aufwande von Gelehrsamkeit
1 Zu diesem und dem vorhergehenden Paragraphen gehören die auf die attischenMarmortempel bezüglichen Tondrucke.
2 Letronne lettres etc. pag. 395.
3 Tabulae pictae pro tectorio includuntur. Digest. XIX. 1, 17, 3.