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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Die Römer als Welteroberer.

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Verbindung mit der phantastischen Wandmalerei auf, hernach aber ver-drängte sie den Mauerputz und die von ihm unzertrennliche Polychromiemit Farben beinahe gänzlich, oder zwang sie doch, in die Mosaikmalereiüberzugehen, um sich der ächten Marmorinkrustation mehr zu assi-miliren. —

Auch legt man in der That dem Vitruvius Dinge in den Mund, 1die er nicht gesagt hat, wenn man aus ihm herausdeutet, dass er dieWandmalerei im Allgemeinen für eine beklagenswerthe Revolution in denKünsten gehalten habe, da er doch nur gegen die bei ihrer Anwendungbegangenen Excesse der Mode und gegen den Unsinn der Maler, keines-wegs aber gegen die Wandmalerei als solche, sich ausspricht, so wenigwie Plinius diess thut, der den Wiedererneuerer der Skenographie, Ludius,rühmend erwähnt und dessen Dekorationsstil anmuthig und nicht theuerfindet. Dagegen erhebt sich der letztgenannte Schriftsteller mit Eifergegen die Verdrängung der Malerei durch das neu aufgekommene poly-lithe Dekorationsprinzip, welches letztere Vitruv , ausser an der oben an-geführten Stelle, wo er dasselbe für das älteste erklärt, ganz unberück-sichtigt lässt, vielleicht weil es zu seiner Zeit noch wenig eingeführtwar, da es erst unter August, wie wir sonst wissen, anfing, sich zuverbreiten.

Der älteste Schriftsteller, der über diesen polylithen Schmuck derWände Genaueres gibt, ist Seneca , der den Aufwand seiner Zeit in dieserArt der Wanddekoration dem gemeinen Mauerputze der scipionischenVilla entgegenstellt. „Jetzt glaubt sich Jemand arm und miserabel ein-gerichtet, wenn seine Wände nicht von mächtigen und kostbaren Marmor-füllungen strahlen; wenn nicht alexandrinischer Marmor mit numidischenTafeln kontrastirt; 2 wenn nicht die kunstvolle und nach Art der Malereiin Farben wechselnde circumlitio (der Wachsüberzug, der auch bei buntemMarmor niemals fehlte) überall die Marmorfelder bunt umsäumt; wennnicht die Decke hinter Spiegelglas unsichtbar wird.

Dieser Passus ist, ausserdem, dass er uns einen Beweis von derzu Seneca’s Zeit, selbst unter den Mittelklassen, herrschenden Verschwen-dung in der Richtung der polylithen Wanddekoration gibt, auch desshalbbesonders wichtig, weil er zeigt, dass die circumlitio, die nichts anderes

1 Letronne, lettres d’un antiquaire 211 seq.

2 Nisi alexandrina marmora Numidicis crustis distincta sunt: Senec. epist. 80, 5.Ich glaube nicht, dass hier Seneca schon an das künstliche Marmoriren der Plattengedacht habe, dessen Plinius erwähnt.