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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Die Römer als Welteroberer.

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sie aus und fügt sie in Verzahnungen (Echankrüren) so aneinander, dassauf den Platten allerhand Gegenstände und Thiere abgebildet erscheinen.Schon sind die viereckigen Füllungen aus Marmor und die in die Wohn-zimmer versetzten Felswände nicht mehr Mode, wir fingen an, das Ge-stein zu ,malen . 1 Diese Erfindung wurde unter dem Kaiser Claudiusgemacht; aber unter Nero wurden die nicht vorhandenen Adern undDrüsen mit buntem Gesteine in das Marmorgetäfel eingelegt, der numi-dische Marmor erhielt Purpuradern, der synnadische solche, die der ver-feinerte Hofgeschmack gerade wünschte. So wird der mangelhaftenNatur des Gesteines nachgeholfen und hört der Luxus niemals auf, dafürzu sorgen, dass bei Feuersbrünsten so viel als möglich zu Grunde gehe.“

Man sieht hier den Gegensatz der alten griechischen Polychromie,die den Stein als Stück Mauer nicht hervortreten lassen will, die ihndesshalb durch Malerei verhüllt, während hier gerade das Umgekehrteerzweckt, der Stein durch Malerei und andere Mittel geflissentlich inseiner Materie und in seiner struktiven Thätigkeit als Füllung und sogarals Quader hervorgehoben und ausgezeichnet wird.

Auch ohne diese sehr interessanten aber stets missverstandenenNachrichten würden die Monumente aus der Zeit, da römische Bauweisedie überall herrschende geworden war, über die wichtigen Veränderungen inder Dekoration, von denen jene Nachrichten sprechen und die das Principdes Bauens im Allgemeinen sehr nahe berühren, keine Zweifel gestatten.An allen Tempeln und sonstigen Monumenten römischer Kaiserzeit tritt derQuaderschnitt und die scharf markirte winkelrecht vertiefte Steinfuge unsals wichtigstes dekoratives Element entgegen, das sogar (zwar im An-fang nur zufällig bei unfertig gelassenen Bauwerken, wie an dem Amphi-theater zu Verona ), sich auf das eigentliche Säulengerüst und die Gebälkeausdehnt, während bei früh-italischen und griechischen Tempeln aus guter

1 Es handelt sich nicht um eine Bemalung des Gesteins, sondern um das Dar-stellen desselben durch Malerei. Ich vermuthe sogar, dass hier lapis für lapis qua-dratus stehe und der Satz so zu übersetzen sei: „Wir fingen an die Wände mit gemaltemQuaderwerke zu dekoriren“, welche wichtige Neuerung jener Zeit in der Dekorationder Wände wohl der Mühe werth war, notirt zu werden. Doch ist es wohl möglich,dass Plinius nur das einfache Malen derjenigen falschen Adern und Drüsen aus Marmorgemeint habe, wofür unter Nero das kostbare Mittel des Einlegens mit hartem Gesteinein den Marmor erfunden ward. Der Passus spricht weder nach der einen noch nachder anderen Uebersetzung gegen die Polychromie auf Marmor, so wenig wie der vorhercitirte aus Seneca’s Briefen, sondern vielmehr in beiden Fällen deutlich zu Gunstenmeiner Auffassung der Polychromie.

Semper, Stil. I.

SO