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Viertes Hauptstück.
in allen ihren Theilen untersuchte und, d’une manibre evidente et incon-testable pour lui, dieselben Reste einer antiken circumlitio fand, auf dieich zuerst hingewiesen hatte. — Auf die Thatsache des Vorhandenseinsdieser circumlitio, die sich unter dem Abakus und auf den Theilen desKapitals, die durch ihn geschützt sind, noch vollständig in dicker resinöserKruste, mit glänzenden Sprüngen, wie die verjährte Theerung auf altenSchiffen, erhielt, aber auch sonst an dem Monumente sich zeigt, legte ichdamals und lege ich noch jetzt bei dieser Frage das meiste Gewicht,mehr Gewicht als auf die eigentlichen Farben dieser circumlitio, derenUeberreste ohnedies nicht hinreichen, um das ganze System der Poly-chromie, welches bei diesem Monumente in Anwendung kam, wieder her-zustellen. Wo immer man irgend ein antikes Werk aus weissem Marmor,sei es Skulptur oder Architektur, das noch einigermassen äusserlich seineIntegrität behielt, etwas näher untersucht, findet man Spuren desselbenresinösen Ueberzuges, dessen Vorhandensein sich unmöglich überall auszufälligen Ursachen erklären lässt. Dieser Ueberzug ist an einigen
Stellen, namentlich an dem Nackten der Figuren und an den Haupt-
flächen der konstruktiven architektonischen Theile, nämlich an den Säulen-schäften, an den Architraven und an der hängenden Platte, transparentund ohne messbare Dicke; an den Gewändern jedoch, an gewissen orna-mentirten Theilen, sowie an den Wandflächen, ist er opak (welche Opa-cität in gewissen Fällen durch Zusatz von Gyps oder Kalk, in anderendurch den der Fritte oder sonstiger opaker Farbstoffe zu der Wachs-masse erreicht wurde) und ziemlich dick, gleichsam emailartig, aufgetragen.Bei dem Nackten und überhaupt bei allen Theilen, wo die Weisse des
Marmors wirken sollte, wurde diese dennoch vorher durch eine Beize
(ßacprj) gebrochen und nach Umständen gefärbt, worauf hernach der farb-lose Wachsüberzug erfolgte, nach dem von Vitruv (VII. cpt. 9.) ange-gebenen Prozesse, welcher Autor deutlich zu verstehen gibt, dass nur dasNackte der Marmorstatuen (also nicht die Bekleidung) auf diese Weisebehandelt wurde. Diese Kausis, dieser durchsichtige Wachsüberzug, istwohl zu unterscheiden von der dicken, enkaustischen, mosaikartigenMalerei, in welche die circumlitio im Ornamentalen überging und wovonsich, nach meinem am Theseustempel und an den Figuren des Parthenon angestellten Beobachtungen, wiederum die ganz opake kalkhaltige Malereider Gewänder jener Figuren unterscheidet. Die Vergoldung wurde aufeine rothe Bolusmordente oder auf Goldocker gelegt und hernach noch-mals mit Hülfe der Enkausis fixirt und gegen die Einflüsse des Wettersgeschützt. Diess sind in kurzer Angabe die Resultate meiner Beobach-