Textile Kunst. Christliches Zeitalter. Westliches Reich.
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Lehre von der Kreuzigung des Fleisches, in welcher zugleich eineAnerkennung desselben enthalten ist, das struktive, technische,materialistische Prinzip der spätrömischen Architektur in seinem neuenstoffkasteienden Sinne symbolisch aufnahm und bis zur letzten Konsequenzdiese Richtung verfolgte, wie die römische Basilika sich in den Gurt-gewölbe tragenden Pfeilerbau der gothischen Kathedrale metamorphosirte,diess sind wichtige Momente der Stilgeschichte, die mehr in einen anderenAbschnitt derselben gehören.
Doch hatte die Wand noch bis zu Ende des XII. Jahrhunderts ihreantike Bedeutung als Raumesabschluss behalten, und obschon sie Gewölb-trägerin und Gewölbstütze geworden war, gab sie diese ihre mechanischenFunktionen noch eigentlich nicht kunstsymbolisch zu erkennen, sie ver-richtete diese Dienste gleichsam verstohlen, und das uralte indogermanischeSymbol des Dachstützens, die Säule, blieb noch immer scheinbar dieTrägerin des gewölbten Deckenzeltes. So behielten Wand und Decken-gewölbe durch das ganze romanische Mittelalter hindurch die alttraditionelleformale Bedeutung als Raumabschluss und Decke, wurden sie alssolche nach dem Bekleidungsprinzipe und den Grundsätzen des Alter-thums architektonisch charakterisirt; ja es zeigt sich sogar während dieserPeriode, vielleicht in Folge byzantinischer , 1 oder vielmehr unmittelbarorientalischer, Einflüsse auch im westlichen Europa ein Wieder verlassendes für die altrömischen Werke so bezeichnenden Quaderschmuckes derWände. Die von der Bekleidung abgeleiteten Ornamente, deren Ursprungund Bedeutung die klassische Baukunst nur errathen lässt, werden ganzmateriell und naiv den textilen Künsten von Neuem abgeborgt; dasFlechtwerk, der Zopf, das Teppichmuster sind wieder, zum Beispiel beiden Normannen des XI. Jahrhunderts, was sie bei den Chaldäern waren,nicht so sehr symbolisch wie darstellend imitatorisch gefasste Entlehnungenaus den textilen Künsten zu dekorativen Zwecken. 2
Anders verhielt es sich mit der Bekleidung in ihrer Verbindungmit dem Dachgerüst und den zu ihm gehörenden stützenden Elementen.
1 Es ist bedenklich, die im frühen Mittelalter im Westen vorherrschende Vor-liebe für Inkrustation der Architekturtheile byzantinischen Einflüssen zuzuschreiben, dagerade die alten byzantinischen Denkmälef, die Sophienkirche z. B. und Reste desalten Kaiserpalastes äusserlich gar nichts dem Aehnliches zeigen, sondern vielmehrstruktiv gehalten sind.
2 Der unermüdliche Eifer der mittelalterlichen Propaganda in der Veröffent-lichung von Kupferwerken und farbigen Darstellungen alter Malereien und sonstigerDetails romanischen und gothischen Stils und in deren Verbreitung macht es über-flüssig, das Folgende mit Illustrationen zu begleiten.