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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Christliches Zeitalter. Westliches Reich.

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Noch beschränkteres Schalten als das der Malerei verblieb der eigent-lichen Bildnerei als unabhängiger Kunst. Nur in seinem ersten Auftretengestattete der gothische Stil dieser Kunst noch eine grossartigere Ent-faltung, die eigentlich noch der spätromanischen Zeit angehört und durchdie Konsequenz des neuen Architektursystemes sehr bald verkümmerte.Das letztere duldet eigentlich keine Statue von übermenschlichen Dimen-sionen und hat für die Bildsäule nur Platz mitten innerhalb der struktivenTheile des Baues, der keine Wände, mithin auch keine Wandnischen,hat. Eingedrängt zwischen Pfeilerbündeln und in Hohlkehlen, oder anPfeiler angelehnt und als deren Aufsatz dienend, bleibt die Statue ohneSelbstständigkeit und bildet sie dennoch keinen mitthätigen Theil derArchitektur; sie erhebt sich selten über ikonographisches Sein und isthierin beinahe ägyptisch.

Der Beziehungen zwischen dem hierarchischen ArchitektursystemeAegyptens und dem der katholischen Kirche des XIII. Jahrhunderts gibtes übrigens mehrere, über die bei anderer Gelegenheit zu sprechen seinwird; die eine noch hebe ich hier hervor, dass das Ornament auch inder gothischen Baukunst seinen Struktur-symbolischen Sinn aufgibt undnur locker mit dem Konstruktionskerne in Verbindung steht, theils alsreine Zierde, theils mit tendenz-symbolischer Bedeutung.

Man sollte meiner, dass eine allgemeine Polychromie mit dem Prin-zipe des gothischen Stiles unverträglich wäre, und dennoch ward sieniemals vollständiger und entschiedener angewandt, als im XIII. undXIV. Jahrhunderte an den Werken der Baukunst und Skulptur dieserZeit. Nur das Aeussere (mit Ausnahme jedoch der Portale und einigerausgezeichneter Theile, sowie des Daches) scheint die Naturfarbe desSteines behalten zu haben. Vielleicht fühlte man für das Innere dasBedürfniss der Lösung des vorher gerügten Uebelstandes, der darinbesteht, dass es dem Auge (das von Innen die Widerlager und Strebe-bögen nicht wahrnimmt), bei dynamisch auftretendem Ribbenwerke derweitgespannten Gewölbe und dem leichten Pfeilersysteme ohne Zwischen-wände, an der nöthigen Beruhigung fehlt, — welche Lösung allerdingseinigermassen erreichbar wird, wenn man mit Hülfe der Profilirung undder Malerei den Gurtbögen und den Ribben der Gewölbe den Ausdruckder aus einzelnen Wölbsteinen bestehenden Struktur benimmt und sie alsgebogenes Astwerk oder als kontinuirliches, absolute Festigkeit besitzendesRankengewebe durch Analogieen bezeichnet, die aus den textilen Künstenoder der Natur selbst entlehnt sind.

Nach meinem Dafürhalten darf polychrome Bekleidung nirgend