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Viertes Hauptstück.
waren, den er nur durch die Länge der Zeit auf natürlichem Wege annimmt. Siesicherten ihrem Werke dadurch gleichsam die ewige Jugend. 1
Eine grosse Stütze für ihre Lehre glauben die Anhänger der halben Polychromiein den bereits erwähnten von Ulrichs zusammengetragenen Citaten 2 gefunden zu haben;sie sind aber mit dieser Art von Beweisgründen nicht besonders glücklich. So legtKugler ein grosses Gewicht auf eine Stelle des Plinius , die ihm Ulrichs an die Handgab, 3 die wiederum, wie die Geschichte mit der Pythia, 4 ganz das Gegentheil von dembew'eist, was er damit darlegen will, nämlich sie beweist erstens, dass weisse natur-farbige Marmorstatuen eine Seltenheit waren, und zweitens, dass der Opisthodom, alsodie Aussenwand, des Tempels der Diana zu Ephesus nicht weiss war, weil das Marmor-bild nur dann so auffällig blenden konnte, wenn es sich von dunklem Grunde abhob.Meinte der Tempeldiener die Weisse des Tempels und nicht die des Bildes, wie Ulrichsund Kugler wollen, so konnte er seine Warnung füglich früher äussern und brauchtesie nicht erst an die Besichtigung des Opisthodoms zu knüpfen; ausserdem ist in dembetreffenden Kapitel des Plinius von Marmorstatuen und nicht von dem Tempel derDiana die Rede. Die hoffärtig- abweisende Art, wie Kugler der seiner eigenen entgegen-gesetzten Auffassung des Sinnes dieser mindestens zweideutigen Stelle begegnet, istwieder ganz in seinem Stile.
Nun doch noch einige Worte über die Siphnier und deren weissen Markt; wirbeide, Hittorff und ich, sollen den Punkt, um den es sich hiebei allein handelt, trotzder ausdrücklichen Hinweisung auf ihn seitens Kuglers, nicht bemerkt haben, — wirhaben ihn sehr wohl bemerkt, aber nicht zugegeben, nämlich dass, „wo parischerStein (edler weisser Marmor) zur Ausstattung eines Gebäudes verwandt wird, dieErscheinung des letzteren, wenigstens in der Hauptmasse, weiss sein soll: — denngerade das Gegentheil davon beweist diese Stelle, und Kugler mag sich winden wie einAal, er kommt aus der Reuse nicht heraus, die er sich selber stellte.
Uebrigens habe ich bei meiner früheren Bekämpfung Kuglers wegen dieserStelle Herodots nicht entschieden behauptet: „man müsse wie statt des rothen Heroldes
1 So konnte der Tempel der jungfräulichen Göttin noch nach fünfundeinhalbJahrhunderten das Aussehen der Neuheit behalten, das Plutarch in seinem Aufsatzede gloria Athen, an ihm bewundernd hervorhebt! In dieser Frische erhielten sichzum Theil die Monumente Athens bis in das Mittelalter hinein, wie aus einem demXIV. Jahrhundert angehörigen anonymen Berichte über den damaligen Zustand der-selben hervorgeht, dessen Veröffentlichung der Graf de Laborde in seinem interessantenBuche, Athönes au XV, XVI et XVII siecles, besorgt hat. Dort ist von einer 7toixiXv]8o|v), einem polychromen Stile der Architektur die Rede, in welchem Kekropsdiese Werke erbaut habe. — An den Propyläen war das Innere buntfarbig und dasAeussere vergoldet (goldfarbig?). Ebenso wird der farbigen Dekoration des Par-thenon erwähnt.
2 Siehe Ulrichs Reisen und Forschungen in Griechenland. Bremen 1840-Seite 86.
3 Plin. XXXVI. 5. 2. ln magna admiratione est et Hercules Menestrati etHecate Ephesi in templo Dianae post aedem, in cujus contemplatione admonent aedituiparcere oculis, tanta marrnoris radiatio est.
4 Ich kann es nicht über mich gewinnen, diese bereits zu oft berührte Ge-schichte noch einmal zu wiederholen, bitte daher den Leser, der die Debatten überdie betreffende Erzählung des Herodot von dem weissen Markte und dem gleichenPrytaneum der Siphnier in Beziehung auf den hier verhandelten Gegenstand kennenzu lernen wünscht, in Kuglers Schriften über Polychromie der Alten und in meinerBrochüre: die vier Elemente der Baukunst nachzusehen. Vergl. auch Hittorffs Werk.