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Viertes Hauptstück.
Hier sei gestattet, noch schliesslich auf ein glänzendes Bild aus Ovids Meta-morphosen hinzuweisen, von dem ich nicht weiss, ob es schon mit unserem Gegen-stände in Bezug gesetzt worden ist. In Metam. X. 591 heisst es nämlich von der imraschen Wettlaufe erhitzten Atalanta:
.... Cursus facit ipse decorem.
Aura refert oblata citis talaria plantisTergaque jactantur crines per eburnea, quaequePoplitibus suberant picto genualia limbo;
Inque puellari corpus candore ruborem
Traxerat haud aliter, quam cum super atria velum
Candida purpureum simulatas inficit umbras.
So färbten die Römer selbst das, was sie weiss liessen, mit durchscheinendemPurpurlichte; das Weiss ist ihnen in diesem Falle, wie auch bei der gefärbten politiodie überall nothwendige Grundlage des Kolorits, die ihren candor mit letzterem keines-wegs einbüsst. Dieses Bild des Ovid ist wieder, wie die vorhercitirten des Lukian ,gleichsam in die antike Polychromie getaucht, die Form ist mit tiefeindringenden trans-parenten Farben gesättigt, Form und Farbe ist Eins. Nur der Schmuck, der ornatus,hier das Haupthaar, die talaria und die genualia, mit dem gemalten oder gesticktenlimbus, lösen sich noch von der Lokalfarbe besonders ab und sind emaillirt, enkaustischgemalt: sie sind die operosa et picturae in modum variata circumlitio des Seneka . —Es lässt sich kaum bezweifeln, dass dem Dichter bei seinem Bilde irgend eine poly-chrome Atalanta, das damals allgekannte Werk eines berühmten Bildhauers, vor-schwebte. 1
Die Akten über die polychrome Frage sind noch nicht als geschlossen zubetrachten, und somit ist jeder Beitrag, der sie betrifft, zu berücksichtigen; ich über-gebe daher hier zum Schluss noch einen Brief der Oeffentlichkeit, den Schinkel anmich richtete, als ich ihm meine erste Broschüre über den hier verhandelten Gegen-stand geschickt hatte. An und für sich ist schon Alles, was berühmte Männer überihr Fach äusserten, der Aufzeichnung werth, und dieser Brief gewiss um so mehr, alser des grossen Architekten eigene Ueberzeugungen über die streitige Frage aussprichtund gleichsam das Prognostikon ihres nächsten Schicksales enthält.
Als zweite Zugabe folgt eine von dem Chemiker Wilhelm Semper, dem Bruderdes Verfassers, bereits im Jahre 1834 veranstaltete qualitative Analyse von Farben-überresten, entnommen von einem Stücke Plafond vom Theseustempel, das, in diechristliche Nische dieses Tempels eingemauert und so Jahrhunderte lang geschützt,einen Theil seiner Farben sehr frisch erhalten hatte; sowie von einem Stück desUeberzugs der Trajanssäule, das der Verfasser ablöste und mit nach Deutschland brachte.Sie liefert einen interessanten Beitrag zu den sonstigen bereits bekannt gemachtenUntersuchungen der Chemiker über antike Farben.
1 Kugler wird mich auch hier wieder des Hineinlegens in die Worte des Textesbeschuldigen. — Immerhin! Ich mache ihm den entgegengesetzten Vorwurf.