Ueber den Begriff der Facies.
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Schreyer-Alpe bei Hallstatt mit seinen eigenthümlichen, zahlreichen Cephalopoden oder eine andrealpine Facies derselben Zeit entgegentreten mag. Ausserdem besitzen manche Thiere und Pflanzeneine so grosse Lebenskraft, dass sie sich den verschiedensten äusseren Bedingungen anzupassenvermögen; wie wir diese Thatsachen an der lebenden Fauna und Flora beobachten, so finden wirauch in den früheren geologischen Epochen nicht nur in der Zeitfolge einige Arten, welche un-verändert in ihrer Gestalt und Organisation den wechselnden Zuständen unsres Planeten getrotzthaben, sondern auch in demselben Zeitabschnitte an räumlich oft weit getrennten Orten der Erdeund unter ganz verschiedenen physikalischen Verhältnissen (des Klimas, der Gesteine, des Wassers etc.)zuweilen die gleichen Petrefacten als treffliche Leitfossilien. Je älter eine Formation ist, um soweiter sind ihre Leitfossilien auf der Erde verbreitet: mit der alternden Erde differenzirt sich undlokalisirt sich die Fauna und Flora immer mehr; immer kleiner wird der Umfang der Faciesgebiete,immer schwieriger die Aufgabe, die verschiedenen Ablagerungen derselben Zeit zu erkennen und inUebereinstimmung zu bringen. Fragen wir nach der Ursache dieser fortschreitenden Lokalisirungder Faunen und Floren, so sind es stets die äusseren, physikalischen Verhältnisse, das Unorganischeunsrer Erde in seiner mehr oder weniger energischen Einwirkung auf das Organische. Vor allemaber ist die Herausbildung der klimatischen Zonen Schuld daran, dass sich die Grenzen der Faunen-gebiete im Laufe der geologischen Zeiten immer enger zogen; bis endlich heutigen Tages das Klimaeinen solchen Einfluss auf die organische Welt gewonnen hat, dass den Studien über die Verbreitungder lebenden Thiere und Pflanzen ein reiches Feld der Thätigkeit eröffnet ist. Alle Untersuchungenüber die verschiedenen paläontologischen Facies der früheren Formationen erstreben nur das eineZiel, eine Kenntniss zu erlangen über die räumliche Verbreitung der Organismen in den ver-gangenen Erdepochen, gerade wie die Geographie der lebenden Thiere und Pflanzen bemüht ist,die jetzt auf der Erde vorhandenen Faciesbezirke zu bestimmen.
Daher sprechen wir in der Geologie, gerade wie die Geographie der lebenden Organismen,von Facies -Provinzen oder -Districten und meinen damit das räumliche Gebiet, über welches sicheine bestimmte Facies verbreitet.
Deutschland ist eine solche Facies-Provinz der Trias, in welcher diese Formation äusserstgleichförmig ausgebildet ist. Man hätte sich schon von vornherein sagen können,' dass weder diePetrefacten - arme Sandstein - Facies der unteren Etage, noch auch die Schlamm-, Sandstein- undMergel-Bildung des Keupers mit ihrer reduzirten Fauna auf weite Strecken hin anhalten würden;beides sind mehr oder weniger Uferabsätze und begleiten die Küstenlinien. Mancher Landbewohnerverlor sich daher in diese Schichten. B e n e c k e hat kürzlich in seiner Trias von Elsass-Lothringen und Luxemburg (Strassburg 1877) die allgemeinen Verhältnisse der ausseralpinen Trias gekenn-zeichnet; er giebt dort die Grenzen des deutschen Triasmeeres im Westen (Ardennen ), im Osten(bayrischer Wald) und im Norden (Skandinavien ) an (pag. 719). Allem Anscheine nach ist dasdeutsche Triasmeer auch mitten in Deutschland nur ein seichtes gewesen. Besonders der deutscheKeuper charakterisirt sich durch seine Pflanzen und Landsaurier, und vor allem das weitverbreiteteBonebed als eine Uferfacies. Draussen aber auf hoher See ausserhalb Deutschlands mussten zurBuntsandstein- und Keuperzeit andre Gesteine, andre Organismen zu finden sein, die Fauna derpelagischen Facies, als eine nothwendige Ergänzung der spärlichen Petrefacten der deutschen Provinz.